Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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sich doch aus durch grössere Fülle und Feinheit der Ausfüh-
rung um Stirn und Schläfen, durch grössere Weichheit und
Natürlichkeit der über die Schultern fallenden Strähnen. Es
steht, dünkt mich, dem Haar der Münchener Eirene nicht fern.
Das Auge mit grossem länglichen Augapfel, liegt unter zart
und sauber gearbeiteter Braue. Ein Zeichen späterer Zeit ist
die Weichheit des Halses mit seinen zarten Hautfalten, an die
Melierin oder die kindische Demeter erinnernd. Schlank und zart
sind die Arme, zierlich aber nicht geziert die Hände, mit feiner
Individualisirung der einzelnen Finger, besonders an der Haupt-
figur und den Händen mit Kanne und Sehale. Die Füsse sind
nicht wie gewöhnlich in geschlossener Parallelstellung, sondern
etwas auswärts gesetzt, so dass die Falten des unteren Chiton
nicht bloss zu beiden Seiten, sondern auch zwischen dieselben
fallen. Alles, und nicht am wenigsten die so anspruchslose wie
charakteristische Darstellung des Nebensächlichen, der Gefässe,
der Fackeln, der Einrahmung weist auf gute, griechische Zeit,
ich sehe nichts, was an das vierte Jahrhundert zu denken verböte.

Ein besonderes Interesse gewinnt dies Hekataion noch durch
die Zusammenstellung mit den übrigen. So verwandt es durch
die Attribute, die Form der Fackeln, die Gesammtauffassung
den übrigen Hekataia der ersten Gruppe ist,-so nahe steht es
doch durch die Composition einem grossen Theile der zweiten
Gattung. Gleichwohl kann es nur hier und nicht, wie andere,
später anzuführende unter den den Uebergang bildenden seinen
Platz nehmen14).

IV. Nur zwei der drei Gestalten haben noch je eine Hand in
gleicher Verwendung.

Q. Die erste und zweite mit der einen Hand das Gewand
fassend, mit der andern die erste die Brust berührend, die zweite
Schale oder Kanne haltend; die dritte hat zwei Fackeln:

14) Eine gewisse Aelmlichkeit hat ein Berliner Relief Nr. 893; der untere,
allein erhaltene Theil 0*26 h., 0*20 br., 0'04 d., durch von Prokesch aus Griechen-
land ins Museum gelangt. In ähnlicher, doch schlichterer Einfassung steht, nur
bis zum Gürtel erhalten. ein Weib in voller Vorderansicht, archaischer Stellung
und Fältelung des Doppelchitons (I) mit Schuhen, in jeder etwas abseits vom
Körper gesenkten Hand eine kurze Fackel emporhalteiid. Da aber von Neben-
figuren nichts zu sehen ist, liegt wohl näher an eine Artemis mit Fackeln zu denken,
als an eine mehr der zweiten Gruppe zugehörige dreiköpfige Hekate. Vgl. das
athenische Münzbild Beule Monn. d'Athfaies S. 380, von Beule Demeter genannt.
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