Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

Seite: 170
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in Hesiods Theog. 450 und Schol. zu Aristophanes' Wespen 804,
oder als Titanis trivia von Ennius bei Varro l. I. 1, 83.

Auf andere Züge unserer Bilder dürfen wir wohl nur gerin-
geres oder gar kein Gewicht legen. Die Einfassung z. B. des Metter-
nich'schen steht einerseits hier zu vereinzelt da, ist andrerseits allen
Votiven zu gewöhnlich, als dass sie die Höhle der Hekate bedeuten
könnte. Die Locken sind Sache des Stils; nicht so der Polos oder
Kalathos, von Eusebios, wie gemeiniglich, auf den Fruchtsegen be-
zogen 2S). Freilich ist auch er vielen Göttinnen eigen, der Artemis
jedoch vorzüglich'2"), der Bedeutung nach wohl dasselbe was später
Nimbus und Strahlenkranz, die beide in jenem vorgebildet scheinen.
Der Schleier ist zu selten, wohl von anderswo auf Hekate über-
tragen, obgleich auch diese AiTmpoKpr)beuvos in dem Hymnus V, 25
und 438 genannt wird und Selene gleich anderen Licht- und Luft-
gottheiten — den Anfang macht wohl die Iris des Parthenon —
durch bauschendes Kopftuch charakterisirt wird. Das Gewandfassen
endlich ist ein zu beliebtes Motiv alter Kunst, als dass wir darin
eine Andeutung der Reigen liebenden Göttin sehen dürften.

So bleibt nur noch eins, aber die Hauptsache, die Zusammen-
setzung dieser Elemente zu der merkwürdigen Dreigestalt. Der Name
Alkamenes scheint die Erklärung derselben zu geben und doch ist
die Sache nicht so einfach. Schon Gerhard, Arch. Zeit. 1843 S. 133,
und wohl auch Welcker Gr. Götterl II. 410 meinte im Gegensatz
zu Rathgeber, welcher in einem unerfreulichen Aufsatz in den
Annali 1840 Bd. XII das Capitolinische Hekataion der II. Gat-
tung auf Alkamenes zurückführen wollte, dass das Werk des Alka-
menes nach dieser I. Gattung vorzustellen sei. Neuerdings hat Furt-
Avängler a. O. S. 194 es präciser ausgesprochen, dass alle unsere
Hekataia l dieser Gattung) 'unverkennbar auf ein Exemplar zurück-
gehen , das sich aus den besseren Exemplaren als ein der letzten
Periode archaischer Kunst angehöriges Werk zu erkennen gibt5. Er
macht dafür namentlich die alterthümliche Gewandung und Fälte-
lung geltend und findet hier eine Bestätigung dafür, cdass ein Alka-
menes , gleichviel ob wir einen älteren Rivalen des Pheidias von
einem gleichnamigen Schüler trennen oder nicht, noch in alterthüm-
lichem Stile gearbeitet hat, wie der Westgiebel des Olympischen
Zeustempels bereits zeigte5. Ich könnte den Hinweis auf Olympia

28) Vgl. die alterthümliche Bronzefigur Ausgrabt», von Olympia IK T. 24.
**) Vgl. z. B. Stephani CR. 1865, 27.
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