Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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ganz auf sich beruhen lassen, wenn es sich so verhielte, dass
unsere in Olympia gewonnene Kenntniss von Alkamenes durch die
Hekate eine Bestätigung fände und nicht viel mehr umgekehrt, der
Westgiebel als originales und besser beglaubigtes Werk, denn es
ist ja eben das, von welchem Pausanias spricht, für die Hekate
Zeugniss ablegen mtisste. Also beiläufig nur so viel, dass ich im
Wesentlichen mit Newton übereinstimmend in Idee und Erfindung
weder im Ost- noch Westgiebel des Zeustempels etwas von Un-
freiheit und Gebundenheit wahrnehmen kann. Ebenso sehr wie beide
Giebel in dem Abstossenden, Plumpen, Ungeschickten überein-
stimmen, weichen sie in der ganzen Erfindung erheblich von ein-
ander ab. Wie jenes auf die Gleichheit der ausführenden Hände,
so ist dies auf die Verschiedenheit der erfindenden Künstler zurück-
zuführen. Zeige man doch in alterthümlichen, d. h- vorpheidias-
sischen Werken Gestalten wie Pelops, Oinomaos, die Sitzenden vor
den Rossen oder gar die lagernden Flussgötter oder Gruppen,
wirkliche Gruppen wie die zwei- und dreifigurigen des Westgiebels,
und nun gar die ganze Composition.

Konnte man schon vor der Ausgrabung in der Einrahmung
der Pelopsdarstellung durch die Flussgötter einen Pheidiassischen
Gedanken erkennen, so ist das durch die gefundenen Figuren, be-
sonders die linke (Alpheios) entschieden bestätigt worden. Noch
viel schlagender finden jetzt die beiden Hauptgruppen des West-
giebels links und rechts von Apollon ihr directes Vorbild in den
Metopen des Parthenon bei Michaelis 3, X und XH, die durch eine
Metope30) getrennt sind, wie jene durch den Gott, in derselben
Weise gegeneinander gekehrt, je ein Kentaur mit einem Weihe,
aber auch in einzelnen Zügen, die nachzuweisen hier unmöglich.
Ebenso unverkennbar ist aber auch, dass die Idee frechen Angriffs
der Halbmenschen auf die Weiber und die vorzweifelte Gegenwehr
dieser, überall weiter entwickelt, das Pathos des Kampfes gesteigert
ist, so dass eine Umkehr des angenommenen Verhältnisses absolute
Unmöglichkeit ist. Hat Alkamenes die Westgiebelcompostion ge-
schaffen, so hat er wahrscheinlich früher die Zeichnung zu allen
oder einem Theile der Südmetopen entworfen, ob auch ausgeführt,
können wir weder leugnen noch behaupten. Denn die Ueberein-
stimmung geht über das sonst in alter Kunst geltende Mass hinaus,
zumal es sich nicht um einen traditionellen Typus handelt.

30) Die von Plew zu Preller Gr. Myth. I3 239, 3 vermissten Beispiele finden
sich z. B. Gerhard Auserl. Vas. 11, 15, 17, 40? 101 137, Eileithyia ebenso.
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