Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

Seite: 185
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binje über Grahovo nach Niksic und von da nach Norden auf
Plevlje zu gelaufen zu sein. Auch diess ist die Richtung eines
mittelalterlichen Handelsweges (Jirecek 1. c. S. 72 f.), von welchem
die gewaltigen Reste einer Römerstrasse — der als „Mauer des
närrischen Vuk" sagenberühmte lange Steindamm — nur wenig
entfernt liegen2). Die Verfolgung dieser Route war mir jedoch un-
möglich, weil der grösste Theil derselben nach den Grenzbestim-
mungen des Jahres 1878 nicht mehr zur Hercegovina sondern zu
Montenegro gehört. Nur den Anfang dieser Römerstrasse auf dal-
matinischem Gebiet bei Ragusa vecchia, den Jirecek (S. 8) „hoch
oben auf der Gebirgslehne in der Gestalt eines geraden allmählig
gegen Norden ansteigenden Einschnittes" sah, besuchte ich und
überzeugte mich erstens, dass der Einschnitt in seiner ganzen Länge
von tiefem Steingeröll verschüttet ist, dann aber, dass die Strasse
nicht, wie der Genannte annimmt, von Epidaurum nach Narona
führte, sondern in's Innere des Landes gerade auf Trebinje zu lief.
Mit den Alterthümern von Ragusa vecchia wie überhaupt mit denen
der Südspitze Dalmatiens beschäftigt sich, beiläufig bemerkt, seit
Jahren der in Ragusa lebende Herr A. Evans zum Behuf einer Ge-
schichte seines derzeitigen Wohnortes. Auf dem Boden des alten
Epidaurum entdeckte derselbe unlängst ein Inschriftfragment mit
der vollen Titulatur eines städtischen Beamten, in der Umgebung
einen römischen Grabstein mit fragmentirter Inschrift und zwei in
den Eelsen gehauene Mithräen. Eine Mithrasgemme in seinem Be-
sitz stammt ebenfalls aus Ragusa vecchia. Folgende Stücke seiner
Gemmensammlung sind in Bosnien erworben und dürfen also hier
näher beschrieben werden, wenngleich bei keinem eine genauere
Angabe des Fundortes möglich ist.

2) Wenn Mommsen C. I. L. III p. 284 schreibt: Plevlje . . videtur medium
fuisse in via Scodra Sirmium, so meint er wohl auch, dass die Rämerstrasse von
Scodra über Doclea sich etwa bei Niksic mit den von Epidaurum und Risinium
kommenden Zweigen vereinigte, um von da nach Norden zu ziehen, denn für eine
blosse binnenländische Verbindungsroute von Scodra nach Narona, wie Jirecek 1. c.
annimmt, führt diese Strasse doch zu weit ins Innere des Landes. — Während des
Druckes dieser Zeilen erschien in den Mittheil. d. k. k. geogr. Gesellschaft „die
vor-slavische Topographie der Bosna, Hercegovina, Crna-gora u. d. angrenzenden
Gebiete" v. W. Tomaschek, welche hauptsächlich eine vollständige Darstellung des
römischen Strassennetzes in den genannten Ländern nach den vorhandenen Quellen
anstrebt. Es genügt hier auf diese ausführliche Abhandlung hinzuweisen, dereu
hypothetische Ortsbestimmungen im Gebiete meiner ersten Route auf die unsicheren
Angaben des Geographus Ravennas gestützt sind.
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