Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

Seite: 190
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Sculptursteine in der Stadt und auf dem Eliasberg etwas näher
bezeichnet werden. Zwei klafterhohe Grabsteinplatten bilden mit
den Kopfseiten zusammenstossend die Stufe vor dem Altar der
Eliaskirche. Die eine zeigt im oberen Felde drei, die andere zwei
Brustbilder (Männer und Frauen) von derselben barbarischen Ge-
sichtsbildung wie die Inschriftsteine 13 und 14. Das untere (In-
schrift-) Feld ist auf beicten fast spiegelglatt abgerieben und keine
Spur von Schrift mehr zu sehen. Ein Löwenkopf ist in der Vor-
halle des Kirchleins über dem Eingang zum Altarraum, eine reiche
Sculpturplatte (Giebel?mit dreifachem Perlenkranz) über dem Haupt-
eingang eingemauert. Ein Grabstein mit drei nebeneinander stehen-
den Brustbildern und ganz verlöschter Inschrift findet sich im Stadt-
hause des Mehmed-Beg-Selmanovic, ein Löwenkopf im Landhause
des Dervis-Beg-Selmanovic, westlich von Plevlje. Im Fundament der
hölzernen Vorhalle der Podstrazica-Moschee sind ein paar klafter-
lange dicke Steinplatten angebracht, deren glatter Mittelraum an
beiden Schmalseiten von einer giebelförmigen Ornamentsculptur
eingefasst ist. Im Hof derselben Moschee ist eine etwa mannshohe
Stele bis an den Fuss umgekehrt in die Erde vergraben. Ich konnte
sie nur ein paar Fuss tief blosslegen und überzeugte mich, dass
die Vorderseite eine römische Inschrift trägt, deren letzte Zeile die
Buchstaben [w]oNVM[enfa(m] enthält. Der Stein wird binnen Kurzem
gehoben werden, wozu die Erlaubnis des türkischen Gouverneurs
einzuholen war. Im Hof der nahen Serhad-Moschee wie an einigen
anderen Stellen der Stadt uod Umgebung liegen grosse, roh vier-
eckig behauene Steinblöcke, die nur au einer Seite ein geglättetes
und vertieftes Feld jedoch ohne Inschrift oder Sculptur aufweisen.
Säulenstümpfe u. dgl. finden sich zumeist in diesem (westlichen)
Theile der Stadt, wie mir überhaupt im ganzen östlichen Theile
derselben — die Hussein-Pascha-Moschee als Mittelpunkt genommen
— kein einziger nennenswerther Rest von römischem Alterthum auf-
gestossen ist3). Auf die gleiche Wahrnehmung gestützt, dachte Blau
den westlichen Theil von Plevlje als Oertlichkeit der Römerstadt
anzusprechen, überliess jedoch späteren Funden und systematischen
Nachgrabungen die weitere Entscheidung über diese Frage.

3) Für alle auf Plevlje und die nächsten Umgebungen der Stadt bezüglichen
topographischen Details verweise ich auf das dem Berichte Blau's beigegebene
Kärtchen, für die weiteren Umgebungen auf Blatt IV der (unlängst erschienenen)
„Karte des südöstl. Theiles des Occupations-Gebietes im Massst. 1 : 75.000 d. Nat."
d. k. k. Generalstabes.
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