Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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sprungs. Weiter sieht, und erfährt man, dass auf den Wiesen und
Aeckern der Ebene und des Abhangs allwärts theils über, theils
unter der Erde gleiche Reste einer alten Stadt zu finden sind, welche
die Einwohner der umliegenden Ortschaften Stari-Plevlje („Alt-P.")
oder (türkisch) Eski-Kassaba („die alte Stadt") nennen. Abhang
und Gefilde führen den Namen BabiS - potok. Schon Blau wurde
auf diese Oertlichkeit aufmerksam gemacht durch Bauern und Popen,
welche behaupteten, dass dort eigentlich die Lage der ältesten Stadt
zu suchen sei, hatte sich jedoch „durch anderweitige Informationen
überzeugt, dass die dortigen Ruinen nichts als eine Burg aus der
Zeit sind, wo die rascischen Bane und die Herzöge von St. Saba
hier ihr Wesen trieben" u. s. w. Hier liegt eine Verwechslung vor.
An „Alt-Plevlje" haften keine Erinnerungen aus der Zeit der natio-
nalen Autonomie und der Ort Kakanj (nicht Kukanj, wie Blau
schreibt), wo solche zu finden sein sollen, liegt in stundenweiter
Entfernung von den obgedachten Stadtruinen. Das Alter der letz-
teren bezeugen noch folgende epigraphische Funde:

8. Babis-potok, auf der Höhe des erwähnten Abhanges,
unmittelbar über dem Ruinenfelde, 20 Minuten westl. von Radosavac.

CAMBRIAN YS
L - P •

oben gebrochen. H. 0*6, Br. 1 M. Jetzt zwischen Gebüsch ver-
steckt, liegt dieser Stein wahrscheinlich noch unverrückt an seiner
ursprünglichen Stelle. Gleichfalls unzweifelhaft ganz nahe ihrem
Fundorte sind folgende Inschriftsteine:

9. Hoher Grabstein mit zwei Brustbildern unter einem Giebel
im Stalle des Cifci Koruga (das Ciftlik gehört dem Beg Harbic aus
Plevlje) in Vidre an einem etwas nördlich gelegenen Punkte des-
selben Abhanges. An der fast ganz verwitterten Inschriftfläche waren
bei dem übrigens höchst ungünstigen Licht nur die Buchstaben der
ersten Zeile

D - M - S -

zu erkennen. Der Vorhof des Stalles ist fast ganz aus alten be-
hauenen Bausteinen aufgeführt, welche dicht hinter dem Hause ge-
funden wurden. Diese Stelle lässt, obwohl von Gras und Gebüsch
überwuchert, deutlich die Umrisse einer römischen Ruine erkennen,

10. Votivstein mit (oben) Rankensculptur. H. 0*67, Br. 0*38.
Im Landhause des Mehemed Beg Selmanovic zu Babispotok, in
gleicher Höhe mit obigem Ciftlik, am selben Abhang, etwa 3/4 St.

Archäologisch-epigraphische Mitth. IV. j;^
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