Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

Seite: 195
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steine an Ort und Stelle gefunden sind und, wie auch mir versichert
wurde, zahlreiche andere theils zerschlagen wurden, theils noch im
Hügel vergraben liegen, wo man „fast bei jedem Spatenstich" auf
Reste eines antiken Bauwerkes stösst (Blau S. 7).

Die folgenden Mittheilungen über römische Alterthümer aus
der weiteren Umgebung von Plevlje sind mir nach meiner Reise
durch Herrn Heinrich Müller, k. k. Vice-Consul in Plevlje, dem
ich auch den Nachweis mehrerer der vorstehend aufgezählten Funde,
namentlich der Steine 8 und 10, und der Ruinen von Babispotok
verdanke, zugekommen. Ich erachte es als eine angenehme Pflicht,
dem genannten Herrn für seine eifrigen Bemühungen zur Auffindung
der Reste römischer Cultur im occupirten Theile des Paschaliks
Novibazar, wodurch mir meine Aufgabe in diesem Gebiete wesent-
lich erleichtert wurde, hiemit öffentlich auf das Wärmste zu danken.
Die von Herrn Müller an ganz neuen Punkten gemachten Funde sind:

1. Rogatac, 2 Stunden südwestl. von Plevlje, Grabstein ohne
Inschrift mit dem Relief einer nackten Jünglingsfigur [Amor] mit
leichtem BacKenbart, das f. Bein über dem r. gekreuzt, den J. Arm auf
einen Stab gestützt, der einer ausgelöschten Fackel ähnlich sieht.
Der in Zeichnung beigegebene Kopf trägt ein Emblem, welches wahr-
scheinlicher ein Flügelpaar vorstellt, als den griechischen Petasus,
dem es allerdings ähnlich sieht. Der Ort Rogatac ist in den Karten
nicht enthalten; wir finden in der angezeigten Richtung nur das
Dorf Podrogatica, welches mit jenem wahrscheinlich identisch ist.
Richtung und Entfernung dieses Fundortes würden bestätigend zu
der oben (Anm. 2) ausgesprochenen Vermuthung passen, dass die
mittelalterliche Handelsstrasse, welche von Niksic (beziehungsweise
Scodra, Cattaro, Ragusa) nordöstlich nach Plevlje lief, den Spuren
einer alten Römerstrasse gefolgt ist. Wenn eine Strassenverbindung
vom römischen Municipium bei „ Alt-Plevlje" über Rogatac (Podro-
gatica) nach Südwesten lief, so lag wahrscheinlich der Eliasberg
mit seinem Heiligthum und seinen Grabstätten als erste Station an
diesem Wege. Die Entdeckung und Verfolgung römischer Strassen-
spuren in der Umgebung noch gegenwärtig blühender Städte ist
hier wie überall in Bosnien erschwert oder unmöglich gemacht durch
die seit alter Zeit übliche rohe Ueberpflasterung aller Haupt- und
Nebenwege bis tief in unzugängliche Wälder und Gebirge, das
System der sog. Kalderma's, deren Zeitbestimmung zu den schwie-
rigsten Aufgaben historischer Localforschung gehört.

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