Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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weiter zu verfolgen4). Mich selbst führte der zweite Theil meiner
Aufgabe ohne Aufenthalt nach dem Westen Bosniens und zwar
zunächst über Sarajevo nach Travnik. Die Reise über Cajnica
und Gorazda nach Sarajevo, welche ich schon im vorigen Jahre
gemacht, bot nichts Neues. Dagegen lieferte

Travnik

eine kleine Ausbeute an Inschriften, Fragmenten und Sculpturen,
welche an drei Orten der Umgebung dieser Stadt zerstreut gefunden
wurden.

1. Putacevo (Puticeva, Ortschaft nicht „Gehöft" wie Blau,
Reisen S. 119 schreibt, Y2 St. südöstl. von Travnik), bereits bekannt
als Fundort der Inschriften C. I. L. III, 2765—6 cf. add. p. 1035,
deren letztere Blau schon 1866 vergebens suchte. Erstere fand ich

v

freiliegend im Ciftlik des Bauern Stjepan Miskovic, dem Osman
Osmic in Travnik gehörig, bis auf den obersten Theil wohlerhalten,
1*21 h., G"7 br., 0"2 d., ein interessantes Denkmal spätrömischer
Kunst, von welchem die bisher bekannte Abbildung im Arkiv za
povjestnicu jagoslavensku IV (1857) p. 148 eine durchaus falsche Vor-
stellung gewährt. Jetzt befindet sich der Stein in Wien in der
Sammlung des unteren Belvedere. Die in späten, verzogenen Cha-
rakteren geschriebene Inschrift:

QVAR.TINIANO CAROCONIVGIELPI
STITVLVMPoSVITQVISALoNAINFATARv'I

Quartiniano caro conjugi Elpis titulum posuit, qui Sahna in fata mit.

049 1., 0*07 h., befindet sich oben in dem von Weinranken
mit Blättern und Trauben (die von einer unten befindlichen Am-
phora ausgehen) umrahmten unteren Felde des Steines, durch welches
in der Mitte ein viereckiges Loch geschlagen ist. Die bildliche
Darstellung dieses Feldes zeigt unter der Inschrift rechts einen nach
vorn, mit den Füssen nach links gewendeten bartlosen Mann (Krieger)
in kurzer gegürteter Tunica und mit kurzem gewelltem Haare,
welcher beide Arme nach aufwärts von sich streckt. Die Rechte
berührt dabei das Kinn eines ganz unverhältnismässig kleinen (3:7)
Pferdes, das über dem erwähnten Loche in der Höhe der Bildfläche

*) Hypothetisch darf hier wohl die Vermuthung ausgesprochen werden, dass
wenn bei Plevlje die Ruinen von Stanecli entdeckt sind, bei Prjepolje jene von
Argentaria gesucht werden dürften, dessen Entfernung von jenem die Tab. Peut,
leider nicht angibt.
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