Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

Seite: 199
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ach webt und den linken Vorderfuss fast horizontal wegstreckt.
Ausser dem Sattel und dem Bauchgurte erkennt man vollkommen
deutlich die Steigbügel, ferner Brust- und Schwanzriemen, welche
den Sattel in seiner Lage halten. Im oberen Felde sieht man zwi-
schen spiralförmig canellirten Säulen das plumpe Brustbild eines
Mannes in Aermeltunica und Mantel. Die Rechte hält eine Schrift-
rolle vor der Brust; der Kopf fehlt.

Das Gefilde unter Putacevo zu beiden Seiten des Flusses
Lasva, in welchem Blau 1. c. einen ^ehemaligen grossen Friedhof"
zu sehen glaubte, lässt sich, obwohl ganz mit Gras überwachsen,
unschwer als der Ruinenplatz einer grossen, wahrscheinlich städti-
schen Ansiedlung erkennen. Was ich darüber aus der Ortstradition
erfuhr, stimmt so vollständig mit der Mittheilung von M. Nedic im
citirten r>Arkivu S. 161 Anm. 8, dass ich diese am besten wörtlich
übersetze: „Lasva war einst eine Stadt am 1. Ufer des gleichnamigen
Flusses, vom Ostende, dem Castell, des heutigen Travnik l/4 St.
entfernt. Die Leute sagen, dass da, wo das heutige Travnik steht,
noch zur türkischen Zeit Grasplätze, Auen und Gärten waren
[Travnik heisst in serbo-croatischer Sprache „Grasplatz"], die Häuser
aber standen weiter abwärts der Lasva an dem Orte, der jetzt
Putacevo heisst. Dann verlegten die Türken ihre Häuser in
jene Wiesen und Auen und überliessen die Altstadt LaSva dem
Verfall". (Der Name Travnik erscheint zuerst 1503.) Der „P.
Petrus a Lasva", wie sich ein von Travnik gebürtiger Franzis-
kaner des vorigen Jahrhunderts in einer von ihm verfassten Ge-
schichte Bosniens bis 1726 nennt, ward auch mir von den Orts-
geistlichen als Beweis für obige Tradition angeführt. Fra Jako
Baltic, Pfarrer von Dolac bei Travnik, wusste sogar den Platz, wo
einst das Franziskanerkloster in Lasva gestanden und ferner, dass
der ältere Name dieser Stadt Lasovia gewesen sei, was unschwer
mit dem Leusaba der Tab. Peut. (Lausava des Geogr. Ravenn.),
welches man früher in Travnik suchte, zu combiniren ist. Die
freie und im antiken Sinne günstige Lage der jetzigen Ruinenstätte
von „Lasva" im Vergleiche zu dem schluchtartig von den Abhängen
des Vlasic und der südlichen Höhen eingeengten Travnik lässt in der
That vermuthen, dass auf dem Gefilde von Putacevo eine römische
Ansiedlung gestanden, worüber jedoch nur Ausgrabungen Gewiss-
heit bringen können. Die nächsten Fundstätten römischer Alter-
thümer sind:

2. Vitezka (oder Gucanska) Kapela, ein Gehöft 3/t St.
nördl. von Vitez, zum Orte Jardo gehörig, welches noch jetzt
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