Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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„Titus . . . filio suo Tito annorum novem" gewesen sein soll. Er-
halten ist

2. in Priluka (9 Km. nordwestl. von Livno, 4 Km. von Ka-
blici am Abhang desselben Höhenzuges) an der Hausthür des
Bauern Jako Romic eingemauert, der Stein C. I. L. III, 2760, un-
genügend bekannt nach „Arkiv" p. 157 u. Taf. n. 15. H. 0'61,
Br. 0-42, D. 013. Die Inschrift:

d JW VV o
ivcvndomeri
ilpsvvli vai../
ntinvs SOC.R0 S

I)(is) Mianibus) viivus) fiecit) Jucundomeri llpsuuli Val[e]ntinus

socro s[uo],

steht unter dem Basrelief zweier gedrungener Figuren, von welchen
die eine, rechts, bärtig, mit kurzem Chiton und Mantel bekleidet
ist und in der R. einen sack- oder eimerartigen Gegenstand an
runder Handhabe hält, die andere, links, ein kurzes Gewand und
ein Kopftuch trägt und mit beiden Händen ein Gespinnst erhebt.
Beide (Mann und Weib?) haben die Beine bis zum Knie verschnürt.
— Angeblich mit acht anderen „Grabsteinen" beim Bau einer nahen
Scheune gefunden. Eine flach ausgehöhlte Steinplatte von demselben
Fund ist noch erhalten. Nedic sah noch das Fragment mit den
Buchstaben cros, das er mit dem Schluss der obigen Inschrift com-
binirte. Vielleicht ist das am Schlüsse fehlende vo aus Raummangel
in die erste Zeile gesetzt.

Unweit von Priluka gegen Ljubuncic liegt die altslavische
Ruinen- und Gräberstätte Vasarovina, welche Blau, der die Gegend
von Livno nicht selbst besucht, auf vage Angaben des Schematis-
mus (1864 p. 69, 1877 p. 71) gestützt (Berk Monatsber. 1867 S. 743)
für den Ort einer römischen Strassenstation halten wollte5). Ich
überzeugte mich,, dass daselbst keine Spur römischen Alterthums
zu finden ist. Türken aus Livno, welche einst den ganzen Boden
von Vaäarovina durchwühlten, um Schätze zu finden, hatten keine
andre Ausbeute als morsche Knochen (vÄrkiv 1. c. p. 157). Auch

5) Schern. 1. c.: .... momimenta tarnen uti lampades dictae perpetuo ardentes
in sepulchris non semel repertae ac defossae inscriptiones latinae jaiti delurpatae m-
dicant fuisse antiqvam coloniam Romanam. Nachversicherung des genannten Orts-
pfarrers sind die „Lampen" in altslavisehen Gräbern und keine anderen Inschriften
als die von Priluka gefunden worden.
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