Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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in Listani, dem Fundort der beiden in Gorica bewahrten Inschriften
konnte ich nichts erfragen, als eine von Gras und Gebüsch über-
wucherte Ruine auf dem katholischen Friedhof, worin angeblich die
beiden Steine vor 18 Jahren gefunden sein sollen, dabei „das Frag-
ment einer männlichen Steinfigur, die in der rechten Hand ein
blankes Schwert hielt". Wohin letzteres gekommen, konnte ich
nicht erfahren. Die Ruine scheint von einer längst verfallenen Ka-
pelle, nicht von einem römischen Bauwerk herzurühren. Im Passe
Prolog forschte ich vergebens nach der in den Fels eingeschnittenen
alten Strasse und der römischen Inschrift, welche nach Angabe
eines Ingenieurs (Blau Berk Monatsber. 1867 S. 744) beim Bau der
neuen Chaussee entdeckt worden sind. In der Pfarre Vidosi wusste
man von dem Steine C. I. L. III, 2764a nur soviel, dass er vor
20 Jahren noch vorhanden gewesen; andre römische Alterthümer
sind auch dort nicht zu finden6). In Livno selbst kommen römische
Münzen, meist wahrscheinlich aus der Umgebung, ungemein zahl-
reich vor. Eine im Kloster Gorica angelegte Sammlung solcher
ward nach Angabe des Guardians 1879 nach Agram übertragen.
Von Livno wendete ich mich nördlich nach

einem äusserst wenig besuchten Punkte, aus dessen Umgebung
(Glavice, 7 Km. nordwestl.) die Inschrift C. I. L III, 2760a stammt.
Ich fand daselbst unmittelbar hinter der alten verfallenen Burg, die
den terrassenförmig angelegten Ort beherrscht, die Ruine eines römi-
schen Gebäudes, deren schöne und starke Quadergrundmauern eben
aufgegraben wurden, um für die im Bau begriffene neue griechische
Kirche des Ortes Bausteine zu liefern. Aus dieser Ruine stammt
ein, jetzt im Hause des Bezirksleiters aufbewahrtes Inschriftfragment
0'29 h., 0 34 br., links abgebrochen.

Glamoc,

d.

M

pie
5

ti) Der Sage nach wurde in Vidosi vor etwa 50 Jahren ein „goldenes" Götter-
bild gefunden und von dem Finder nach Spalato verkauft.
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