Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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In Jakir, einem kleinen Orte 6 Km. östl. von Glamoc besitzt
der Bauer Matko Kaie eine schöne, l'O h., (>64 br. u. d. Grab-
stele, die '/„ St. von seinem Hause am Bergabhang gefunden wurde.
Die Vorderseite zeigt die Brustbilder eines Mannes und einer Frau,
ersteres sehr verstümmelt; letztere stützt den 1. Arm auf die R.
und fasst mit der L. den über das Haupt gezogenen Mantel. Die
1. Seite des Inschriftfeldes ist ganz glatt gescheuert; auf der rechten
konnte ich folgende Reste entziffern:

IIIIIII LirrocLO

///////BAS//H//N
/////////OPEBAEI
////////iTTMELIDIO
//////'///tvs QVARTVS
///////// PIENTISSIME
pos VERVNT

An der r. Schmalseite erscheint die fast bis zur Unkenntlich-
keit zerstörte Figur eines stehenden Jünglings mit langen Flügeln
und gesenkter Fackel (?). Auch bei dem Orte Za Jarugorn, 3 Km.
südl. von Jakir, soll eine ähnliche Sculptur gefunden worden sein,
in Glamoc selbst aber vor 7—8 Jahren ein Topf mit ca. 500 römi-
schen Münzen und, bei einer andern Gelegenheit, eine spannenlange
Bronzestatuette, die nach Agram gekommen sein soll. Eine Silber-
münze, die ich noch vorfand, zeigt: A. leg-xvi zwischen Feldzeichen
und Tropäen. R. ant-avg- und ein Schiff.

Von Glamoc machte ich den beschwerlichen und höchst selten
betretenen Weg über die Plivaquellen nach Jaice. So reich letztere
Stadt an Denkmälern des späteren Mittelalters ist, so wenig konnte
ich, trotz Blau's (Reisen 117) verheissenden Angaben, eine Spur
römischen Alterthums entdecken, und auch die angeblich reichen
Münzenfunde in Podlipci wurden durch die au Ort und Stelle ein-
gezogenen Erkundigungen sehr in Frage gestellt Meine Absicht,
im Vrbasthale nach Banjaluka zu gehen, wurde durch den Eintritt
schlechter Witterung vereitelt; ich kehrte daher nach Travnik zurück
und schloss meine Reise durch die Rückkehr über Zenica und Brod.
Die ganz im Westen Bosniens nahe an Dalmatien liegenden Punkte,
welche leichter von der Grenze als vom Innern des Landes zu er-
reichen sind, musste ich unbesucht lassen. So den kleinen Ort
Vrstoöa im Unnacthale oberhalb Drvar (Dolnji Unnac), wo Evans
eine 5 Fuss hohe römische Basreliefsculptur7) gefunden hat u. a. m.

7j Mercur nach vorn gewendet, nackt — die um den Hals geknüpfte Chlamys
bedeckt nur den Rücken — den Petasus auf dem Kopfe, den Schlangenstab in der
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