Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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die Schlacht am Ka'ikos geführt, musste seine Deutung wegen ihrer
Unvereinbarkeit mit den übrigen Details des Gemäldes aufgeben.
Kritische Bedenken, welche, durch die mehrfachen Unklarheiten
wachgerufen, ihre Bestärkung auch in zahlreichen Einzelheiten in
Zeichnung und Vorstellung fanden — so in der durch Gewand-
princip und Gewandbehandlung wie durch Bildung des Körpers )
gleich anstössigen weiblichen Gestalt rechts, in den Schildzeichen
auf der Eück- und Vorderseite, den Beinschienen, der schablonen-
haften überall gleich unverständigen Innenzeichnung an Knieen und
Knöcheln, der zusammenhangslosen Hand vor dem Gesicht des mit
AIOMEA bezeichneten Kriegers, dem mehrfachen FehleD, respective
Aussetzen der Umfassungslinie am Haar, dann auf der anderen
Seite der Vase in den schwächlichen Unterschenkeln mit den für
den Stil des Bildes doppelt auffälligen kleinen Eüssen, in die der
mächtige, prächtig gezeichnete Leib des stehenden Jünglings endigt,
der vollkommenen Misbildung des Rumpfes des liegenden Jünglings,
in den unverstanden und willkürlich hingezeichneten Faltenlinien
der serviettenartig umgeworfenen Chlamys, deren Striche am Halse
plötzlich aufhören, dem Helm, den Wurzeln der Bäume — wurden
seither durch eine von E. Petersen3) vorgenommene Revision des
Originals bestätigt4) und die sohin nach Ausscheidung des Unechten
übrig bleibenden Elemente leiten nunmehr in der That zu dem
mysischen Abenteuer des Griechenheers. Dahin werden wir mit
Ausschluss jeder anderen Möglichkeit geführt, wenn wir nach einem
Kampf suchen, an dem Patroklos betheiligt ist5), als auch, wenn
wir eine Sage zum Ausgangspunkt nehmen, die Dionysos — für
unser Bild aus dem Thyrsos und dem Rest des Namens AioNYSOS
gewonnen — mit Kampfgetümmel in Verbindung bringt('): es ist
dieselbe, in der drittens auch dem Diomedes eine bestimmte Rolle

2) Man beachte z. B. die verdrehte Haltung des Thyrsos.
') Archäol. Zeitung 1879 S. 9 ff.

4) Danach sind alt: auf der in Rede stehenden Seite der Oberleib des Pa-
troklos von der Stelle an, wo das Gewand den Oberschenkel berührt, die Lanze, Kopf,
Bart, Hand und ein Stück des Schildes des sich beugenden Kriegers, die in den
Ornamentsamn gezeichneten Spitzen der Lanze und des Thyrsos, die an den Felsen
gelegte Hand mit der Inschrift... NYSO 5 ; auf der anderen Seite nur der Oberleib
des stehenden Jünglings und der Baum links, sowie die äusserste Spitze des Baumes
rechts.

5) Pindar Olymp. IX 70.

ß) Schob Ibas A. 59. 60 Cod. Venet. A; vgl. Welcker Zeitschr. f. Altertlmms-
wiss. I S. 44 ff. zu Pindar Isthm. VTII 49.
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