Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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werden darf5. Etwas früher schon finden wir hohe Gürtung auf
dem Arch. Zeit. 1877 T. 15 publicierten Relief im MöAuuvoc; d. i.
362. Völlig entwickelt ist die neue Mode auf dem schönen durch-
aus malerisch componierten Asklepiosrelief (Mittheil. d. Deutsch.
Arch. Inst. II T. 16) mit einem sonst aus 325 bezeugten Namen
wie v. Duhn das. S. 221 bemerkt.

Von Münzbildern vermag ich wenig vorzubringen. Völlig fertig
sehen wir die neue Mode bei vollweiblicher Bildung auf der schönen
Münze des Pyrrhos bei Friedländer u. Sallet das Berliner Münz-
kabinet T. VII, 447, nur für die Körperbildung sagt dasselbe die
Nike mit entblösstem Oberkörper einen Nagel ins Tropaion schla-
gend, auf der Münze des Agathokles a. 0. VII 445. Unter dem
Busen liegenden Gürtel hat Nike auf Seleukidenmünzen schon seit
Seleukos I. und wohl schon auf denen des Alexander bei Müller
Numismatique d''Alexandre le grand II, 14.

Höher hinauf führt gleich den Reliefs die Rundsculptur, voran
die Niobiden, Mutter und Töchter, die eine sowohl im Vaticanischen
wie im Florentiner Exemplar, und übereinstimmend in den Peters-
burger Thonreliefs41), hoch gegürtet. So scheint auch die Artemisia
vom Mausoleum, entsprechend den weiblichen Formen, während die
Amazonen Mon. ined. d. I. V, 1—3 u. 18 ff. tiefere Gürtung haben,
wie die Amazonen — ob wegen des kurzen Chitons, oder wegen
des bestimmenden Einflusses älterer Vorbilder, lasse ich dahinge-
stellt — noch länger, so auch die Amazonen des Wiener Sarkophags,
kaum aber die Borghesische. Vom Artemision weist das bester-
haltene Säulenrelief keine Gürtung auf, wohl aber ein Friesstück
eine hohe. Es ist nicht nöthig, die dauernde Herrschaft dieser Mode
durch lange Aufzählungen zu erhärten, ich begnüge mich, wenige
Beispiele zu nennen, wie die schlafende Ariadne, die Münchner
Nereiden, die kleine Samothrakische Nike, die Pariser Melpomene (?)
gleich dem Vaticanischen Musagetes mit sammt den Musen, wie
überhaupt alle oder die meisten Musen, so auch auf der Tafel des
Archelaos. Nur die grossen und kleinen Reliefs von der pergame-
nischen Ära seien noch angeführt, weil sie, besonders die Giganto-
machie mit ihren zahlreichen Göttinnen vollweiblicher Bildung und
der kleine Fries namentlich an einem Beispiel42) besser als irgend ein
andres Werk die Tendenz dieser Tracht in der Kunst wie im Leben

") C. R. 1863 T. 3 f. 1868, 2.

") S. die Ergebnisse der Ausgrabb. v. Perg. S. 66.
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