Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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Nach gewöhnlicher ungefährer Schätzung der Zeit scheinen
viele Vasen die Veränderung der Tracht nicht wiederzugeben, wie
z. B. ausser schon angeführten in den Petersburger Comptes-Renclus
1860 Tf. V Orestes in Athen; 1861 Tf. IV Parisurtheil mit Eris
und Themis; R. Bakchos in Delphi; Tf. V Parisvasen; 1862 Tf. III
die cumanische und gar 1862 Tf. IV Triptolemos in Aegypten, nach
Stephani Vasenkatalog 350: Stil des dritten Jahrhunderts, Tf. VI
Marsyas, nach Stephani 'spätester Stil des Verfalls'45) u. s. w. noch
die ältere, tiefe Gürtung zeigen, während dagegen auf den herr-
lichen Vasen 1859 Tf. I Geburt des Iakchos oder Erichthonios
(Stephani Nr. 1792: vollendetster Stil des vierten Jahrhunderts) bei
Athena und Hera 1860 Tf. II auf die Kyprien bezüglich (Stephani
ebenso) bei der hinter Aphrodite stehenden, 1873 Tf. IV Eurytion
(Stephani 1787 ebenso) bei der Knieenden eher hohe als tiefe Gür-
tung zu sehen ist. Durch Annahme localer Einflüsse könnte man
jenen Widerspruch nur ungenügend erklären. Richtiger wird es
sein, ihn zu beseitigen, indem man jene Vasendatierungen preis-
giebt und anerkennt, dass Sorgfalt und Schönheit der Zeichnung
sehr wohl jünger sein kann, als flüchtige Malereien. Irre ich nicht,
so folgen jene Vasen mit tiefer Gürtung auch in Proportionen und
zarterer Formenbehandlung noch der älteren Weise, während von
den letztgenannten vorzüglich 1792, 1793 und 1787 in allen jenen
Stücken abweichen. Ich möchte die Athena von 1792 geradezu mit
der Athena des Nervaforums vergleichen, noch mehr aber die Stil-
verwandtschaft von 1787 mit der schönen Thetisvase von Kameiros
(Conze Vorlegeblätter S. II, 6) betonen, deren üppige Frauenge-
stalten durchaus zu der hohen Gürtung gehören, welche bei einer
der Nereiden sicher scheint.

Dass jedenfalls auch die Vasen die Neuerung mitmachen, mögen
folgende Anführungen beweisen: aus der Ermitage noch C. R. 1875
III, 1, 3, 6, 8 IV, 4 Mon. ined. d. Inst. II. 30, die Dareiosvase IX,
50 der rasende Herakles des Asteas VIII. 10 (nebst anderen des
Asteas jetzt Benndorf Vorlegeblätter S. B), die Iovase IL 59, An-
dromeda IX. 38, bei Benndorf Vasenb. 45 Brautschmückung (?) 44
der trunkene Herakles u. s. w., die meisten auch in der flüchtigen
Ausführung die breiten realistischen Formen der späteren Zeit ver-
rathend.

45) Vgl. jedoch Arch. Zeit. 1879 S, 17.
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