Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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fünften Jahrhunderts abweichen48). Die Tracht ist bei ihnen aller-
dings vorwiegend die oben mit IV bezeichnete, während bei den
Hekataia häufiger die Tracht III ist. Diese, und zwar ebenfalls
mit hoher Gürtung, weist auch das interessante Relief auf, welches
v. Duhn in der Arch. Ztg. 1877 S. 160 Nr. 64 beschrieben, und an
dem Furtwängler in den Athen. Mitth. III S. 190 richtig, wie ich selbst
bezeugen kann, den archaistischen Charakter der Gewandung neben
völlig freier Behandlung des Kopfes bemerkt hat. Diese Tracht ist
ohne Zweifel alterthümlich, wie hoch hinaufreichend weiss ich nicht,
im fünften Jahrhundert seltener werdend. Der obere Chiton, früher
länger, z. B. Mon. med d. Inst. X. 35: eine rothfigurige Vase strengen
Stils, Arch. Ztg. 1861 Tf. 150 desgleichen, sehr lang sogar auf der
Selinuntischen Metope Benndorf X, wird dann kürzer, z. B. bei
dem jüngst von v. Sybel in den Athen. Mitth. V. S. 102 mit Tf 5
besprochenen Athenatypus aus der Zeit des Pheidias; ähnlich auf
der zeitlich nahestehenden Helenavase von Bologna, wieder Athena,
Mon. med. d. Inst. X, T. 54, und noch etwas jünger und kürzer der
Oberchiton auf dem feinen Vasenbilde Arch. Ztg. 1876 T. 11. Die
archaisirende Kunst bringt ihn dann wieder zur Geltung und zwar
mit tiefer hinabreichendem Oberchiton, so bei der Charis jenes v.
Duhn'schen Reliefs, um so bemerkenswerther, als die alten originalen
Charitenreliefs gerade nicht diese Tracht haben; ebenso auf dem
Fries des restaurierten caltenJ Tempels von Samothrake, s. Neue
Untersuchungen auf Samothrake Tf. IX. Und auch ohne Archai-
sieren erscheint diese Tracht in der pergamenischen Gigantomachie

48J Vgl. z. B. die bei Gerhard Ak. Abh. T. 31, 6 abgebildete Figur mit der
Weihung an Eleuthia mit der tiefen Gürtung; die Bronze von Olympia Ausgrabb.
III, T. 24 (älter); die Spiegelstütze in der Gazette arch. II, S. 40; die Figur mit
Kanne u. Schale in älterer Fassung Revue arch. 1872, 24 pl. XV, 1, in jüngerer
Fassung Mitth. d. deutsch, archäol. Inst, in Athen 1878 T. I, die schon angeführte
Kanephore Arch. Zeit. 1880 T. 8 und die zwei Darstellungen der asiatischen Arte-
mis das. 1854 T. 67; die eine von Gerhard S. 184 mit Recht für ein archaistisches
Werk römischer Zeit erklärt, gleicht auch in der hohen Gürtung den hier im Text
besprochenen Darstellungen. Bei dem interessanten Bild der thrakischen Parthenos
bei Schoene Gr. Rel. T. VII, 48 vom J. 356 ist grade die Gürtung unklar, viel-
leicht gar nicht vorhanden. Durch eine gewisse Unsicherheit des Vortrags sticht
dies Bild merkwürdig von jenen Libitinafiguren mit ihrem festen fertigen Gepräge
ab. Dieselben sind nur die in Stillstand versetzten und dem Stil ihrer Gewandung
entsprechend stehenden Chariten, wie wir sie unten unter W das Hekataion um-
tanzend finden werden. Vgl. noch die Chariten des Kallimachos archaistisch mit
hoher Gürtung und desgl. das Idol Mon. ined. d. Inst. IV, 16,
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