Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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bei der nach r. vor der Löwenreiterin schreitenden Göttin (s. die
Ergebnisse d. Ausgr. v. Perg. S. 58 K.).

Ausser der hohen Gürtung, welche in einer Sculptur des fünften
Jahrhunderts nicht anzunehmen ist, und der stärkeren Ausbiegung
der Hüften glaube ich schliesslich, ohne eingehenden Nachweis zu
unternehmen, auch noch die bei unseren Hekataia meist vorhan-
denen Schuhe als ein Merkmal späterer Zeit bezeichnen zu dürfen,
da im fünften Jahrhundert die einfacheren Sandalen durchaus die
gewöhnliche Fussbekleidung sind.

"Wenn also Alkamenes, um des eigenthümlichen Wesens der
Göttin und der besonderen Aufstellung, wahrscheinlich doch um
eine Säule, willen seinen drei Hekategestalten eine möglichst ge-
bundene Stellung und Haltung und ein möglichst wohlgeordnetes
Gewand gab, so müssen dieselben doch von unseren Hekataia sich
merklich unterschieden haben. Der Archaismus unserer Hekataia
ist also auch kein Grund, das Werk des Alkamenes längere Zeit
vor dem peloponnesischen Krieg entstanden zu denken48*).

Wenn nun aber schon während des Archidamischen Krieges
jeder athenische Bürger ein Hekataion vor seiner Hausthüre hatte
nach V. 804 der Olymp. 89, 2 aufgeführten Wespen des Aristo-
phanes:

i]Kr|KÖeiv YOtp 5A9nvaioi ttotg

biKÖctfoiev em to% oitdaicri t&c; bkag

Kav Toxg irpoGupois evoiKobouricroi ixäg avn.p

auTUj biKao~Tr|pibiov Trdvu uixpöv

ujcf-rrep 'Ekcctcuov TravTaxoö Tipö tujv Gupüuv

so ist dieser Brauch und sind diese Hekataia natürlich nicht durch
Alkamenes erst ins Leben gerufen. Waren sie aber dreigestaltig?
Das glaube ich nicht. Aber ebensowenig wohl Bilder der Göttin
in einfacher Gestalt. Warum hätte man solche nicht ebensogut
wie den Agyieus oder den Hermes auch Hekate genannt statt
Hekataion, wie wir es auch in der Lysistrate 63 und 700 und in
den Fröschen (?) finden, während die Göttin selbst, wie anderswo,
so auch im Plutus 594 und dem Frg. 23 (Dind.) natürlich Hekate

48*) Das noch von Stephani Ausr. Herakl. S. 253 f. angeführte Münzbild mit
Darstellung der Epipyrgidia, wie man meinte, ist abgethan in Gerhards Ak, Abb.
II, 385 f. zu T. XXV, b.
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