Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

Seite: 19
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1881/0023
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
19

und schon hier, meine ich — leider weiss man ja die Zeit des

Mannes nicht — ist, wie später in orphischer Poesie, eine Zusam-
menstellung von nicht erst jetzt gemachten sondern längst vorhan-
denen und in Hekatehynmen oder Anrufungen gebrauchten Bei-
wörtern anzunehmen. Auch ist festzuhalten, dass die Anrufung
nicht einem Bilde sondern der Göttin gilt, die in so verschiedenen
Formen dargestellt zu sehen war. Schliesslich bemerke ich, dass
grade bei Hekate, ähnlich wie bei der Gorgone Medusa55), mit der
Gestaltung vom Kopfe auszugehen eben durch die Vollmondgestalt
angezeigt war 56).

Aus der Sitte xpTyXai der Hekate darzubringen, nach Apollo-
dors (Athenaeus a. O.) Erklärung wegen der im Namen liegenden
Anspielung auf die Dreiform, ergiebt sich nichts, da die Zeugnisse
dafür jünger als Alkamenes sind. Ebenso gewinnen wir aus den
Worten, welche Sophokles den Chor der PiZotouoi Fr. 490 N. von
Hekate sagen lässt

kcu y% vcuoua5 lep&g xpioboug
nur die Ueberzeugung, dass damals — ob vor Euripides Peliaden?
— bereits Hekate, gewiss nicht die Göttin selbst, sondern ihre Ab-
zeichen auf den Dreiwegen Platz hatten, wie aber diese gestaltet
waren, lässt sich daraus nicht entnehmen.

Des Alkamenes Neuerung werden wir hiernach nicht mehr
blos mit Pausanias in der Dreigestalt gegenüber der einfachen Ge-
stalt einer Myronischen Hekate sehen, sondern auch in der völligen
Ausgestaltung der früher in einem Artemision mit drei Köpfen nur
im Keim vorhandenen Dreiform57). Dass er dies jedoch nicht durch

55) Vgl. Kekuld Ueber die Entstehung der griechischen Götterideale.

5C) Man vergleiche die von Hekate gesandte (wie Persephone die ropYeir)
xeqpa\f] sendet) Empusa, auch sie wandelgestaltig, von Aristophanes in den Tage-
nisten, wie die Grammatiker meinten, mit Hekate identificiert, und allerdings auch
in den Fröschen als solche kaum zu verkennen, da sie bald ßout; bald öpeuq (vgl.
Paus. 5, 11, 3 an der Basis des Zeusthrones Xe\rivr| xe rrrrrov 4juoi boxeiv e\aö-
vouaa* toic, 6e eaxiv eiprju^va eqp' r^iaiövou xr^v Geöv öxeiöOat) bald f\jvr\ tüpaio-
xdxn ist und dann wieder küuuv (V. 290 ff.). Und danach heisst es zur Bestäti-
gung der Nennung Empusa irupi foüv \d|UTrexai | ätrav xö -rrpöoumov und be-
merken die Scholien xw£<; ev updaaiirov öXov X^YOuaw. Vgl. Schob Apoll. Rhod.
3, 862.

57) So dachte auch Welcker Gr. Götterl. II, 409 offenbar. So auch Jahn
die Entführung der Europa S. 37 von der uralten Verehrung der Hekate auf dem
Pyrgos (?) sprechend, 'längst ehe es Alkamenes glückte das dreiköpfige Götter-
bild zu einer harmonischen Dreigestalt zu gliedern5, und ihm folgend Wachsmutb
die Stadt Athen im Alterthum I S. 137.

2*
loading ...