Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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herausgebildet wurde, nämlich durch Gegensätze eine Gestalten-
reihe zu beleben, ihr das mannigfaltigere Aussehen wirklichen
Lebens zu verleihen, während eine ältere Kunst in Zeichnung
und Relief nicht blos sondern auch in reliefartig componirten
Gruppen, z. B. der Giebelfelder, auch die Seitenansicht möglichst
zu einer Vorderansicht zu gestalten bemüht ist, daher bei Be-
wegung rechtshin die L, bei Bewegung linkshin die r. Seite des
Körpers vorschieben lässt. So noch alle Parthenonsculpturen.
Nur am Fries findet man ganz vereinzelte und bescheidene Ver-
suche, die Rückansicht zu geben, z. B. 13, 118 (Michaelis),
9, 25, während 'Theseion5 und Niketempel, wie freilich schon
Euphronios darin weiter gehen. Den vollendeten Gegensatz
zur älteren Weise lässt am besten wieder die pergamenische
Gigantomachie erkennen, wo fast mehr Rücken - als Vorder-
ansicht gegeben ist und geflissentlich auch Ober- und Unter-
körper derselben Figur in dieser Beziehung contrastieren.

Im Uebrigen gleichen sich die drei Mädchen und ist an
vielen Stellen noch die bis ins Kleine durchgeführte Zierlichkeit
ihrer anmuthigen Erscheinung zu erkennen Der feinfältige
Chiton mit kurzen eng anliegenden Ermein zeigt das glatte
'Bund3 oder cQuäder5, wie es im ersten Theil des fünften Jahr-
hunderts namentlich in sorgfältigen Vasenzeichnungen oft be-
gegnet und dann in hellenistischer Zeit wieder Mode wird (vgl.
Conze die Ergebnisse der Ausgr. von Pergamon S. 61), oben
am Halssaum, auf den Ermein, wie als Einfassung derselben
und unten herum. Ueber dem Chiton ein Obergewand (in der
oben als Tracht IV bezeichneten Form), unter der 1. (bei der
ersten und dritten, die also auch hierin contrastieren, unter
der r.) Achsel durch straff hinten und vorn nach der r. (bei
der ersten und dritten nach der 1.) Schulter hinauf gezogen und
hier genestelt, nur dass dieses Obergewand einen Ueberschlag
bildend sowohl die regelmässigen Vertikalfalten als den in zier-
lichem , doch nicht schematischem Zickzack auf und nieder-
steigenden Saum doppelt darstellt. Eine Unklarheit scheint mir
bei der Mittelfigur obzuwalten, da trotzdem sie, wie bemerkt,
unten mehr die Rückansicht zeigt, das Gewand doch von vorne
gesehen wird. Von dem hinteren Rande des hohen Kalathos
wallt dazu noch ein Schleier zu beiden Seiten herab , auch er
in archaistisch zierlicher Regelmässigkeit und Schwingung nach
vorn bis zur Armbeuge mit einem Zipfel vorfallend, nach hinten
so tief wie Arm und Hand reichend, einen Hintergrund für
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