Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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oder vor den Flächen keinen wesentlichen Unterschied macht,
lässt hier eben der Vergleich von a c mit b den Vorzug der in
b gewählten Compositionsform erkennen, indem hier nicht Kopf
unter Kopf gestellt ist, sondern die so verschiedenartigen Formen
einander ausweichend jede in ihrer Eigenthümlichkeit und doch
auch beide in ihrem Gegensatz zur Geltung kommen. Und
indem dieselbe in jeder Ansicht eine Figur in Vollansicht, zwei
in Nebenansicht zeigt, weiss sie auch so einen Contrast zu er-
zielen, während bei der andern Weise stets beiderlei Figuren
in gleicher Ansicht stehen. Endlich dringt die Idee selbst, ein
heiliges Bild von Mädchen im Chortanz umschritten, weit un-
mittelbarer der Anschauung sich auf, wenn die Mädchen eben
die Ecken umschreiten, als wenn sie vor den Frontflächen
stehen.

Die Bewegung der Mädchen geht auch an der Veneziani-
schen Hekate rechtshin; auch hier halten sie nicht Schritt,
setzen, soviel an der Abbildung zu erkennen, theils den 1., theils
den r. Fuss vor, die vorgestreckten 1. und zurückgehaltenen r.
Hände in einander fassend. Auch die Tracht ist ähnlich: Ermel-
chiton, feinfältig und, täuscht nicht die Abbildung, mit °Bund5
am Halse wenigstens, drüber das Himation in der Form IV
und mit dem nämlichen Wechsel wie &, aber ohne den Ueber-
fall und ohne das zierliche Zickzack. Der Archaismus, der ja
Burckhardt täuschte, ist hier im Himation weniger deutlich als
im Schleier, der vom hohen Polos über den 1. Arm herab und
von der r. Hand gefasst bis fast zu den Füssen reicht. In
auffälligem Gegensatz zu so reicher Bekleidung stehen die
blossen Füsse, nur mit dem Vorderballen den Boden berührend.
Die Schulterlocken fehlen nicht. Zwei erhaltene Köpfe zeigen
keine Seitenwendung, der eine, welchen die Abbildung etwas
deutlicher erkennen lässt, scheint auch der stimmungsvollen
Neigung zu ermangeln. Bei dem dritten Kopf möchte allerdings
eben die Umwendung seinen Abbruch verursacht haben.

Nicht blos eine Herme sondern die vollständige Dreigestalt
wird umtanzt:

d) Athen, westlich vom Wärterhäuschen der Akropolis. Nach
Heydemann n. 656, gefunden im Dionysostheater 1862. Mittel-
massige Arbeit. Von pentelischem Marmor, noch 0*4 hoch,
die Köpfe und der untere Theil fehlt, zudem ist eine der drei He-
kategestalten grösstenteils, eins der drei umtanzenden Mädchen
ganz weggebrochen, der Rest stark bestossen. Hekate-Typus A,
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