Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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waren nicht vollständig, sondern endeten stumpf als Hermen-
arme darunter. Trotzdem sind die mit hochgegürtetem Doppel-
chiton bekleideten Gestalten unten vollständig, so dass man die
geschlossen parallel stehenden Füsse erkennt. An den Ecken
oder zwischen je zwei Hekatefigureu, die halbe Höhe desselben
erreichend, erscheinen rechtshin tanzend die drei Mädchen in
Ober- und Untergewand, jenes nach Tracht V geordnet. Trotz
Zerstörung der Arme ist deutlich, dass sie einander an den
Händen fassten, weniger klar, ob eine oder die andere den Kopf
umwandte.

Hier mag obwohl nicht mitgezählt doch angeführt werden
die Herme des Cardinal di Carpi, gezeichnet im codex Pighianus
24 f. 12b, publiciert von Pighius in der Themis dea S. 23, be-
schrieben daselbst und bei Aldroandi, nach Jahn in den Be-
richten üb. Verh. d. kgl. Sächs. Ges. d. Wiss. 1868 S. 179, 24.
Denn nicht an jeder Seite des Schaftes, wie Jahn sagt und
Schreiber Arch. Zeitung 1879 S. 75 wiederholt, sondern nur
an der vorderen wie an der rechten und linken Seite finden
sich die Mädchen, drei an der Zahl und nicht vier, wie ja auch
Pighius' Text und Erklärung erkennen lässt. Desselben Pighius'
Worte S. 22 ut prima dextrum latus tegat dürfen nicht zu der
Annahme verleiten, als sei der Stich verkehrt, denn S. 131 heisst
die stärker eingehüllte, welche die 1. Seite der Herme einnimmt,
die dritte. Alle drei haben nämlich das Himation über dem
Chiton, die vorderste (Pighius' dritte) aber so, dass es beide
Arme, den linken wenigstens bis zur Hand bedeckt. Sie kann
daher die Rechte nicht der Nachfolgenden geben, wie diese der
dritten, welche ihrerseits obwohl den 1. Fuss vorsetzend doch
den Oberkörper drehend, so dass man ihn von hinten sieht,
jene auch mit der Rechten fasst. Ihre entblösste Schulter
bildet einen deutlichen Gegensatz zur Verhüllung der ersten
und setzt die Hören ausser Zweifel. Darum ist aber die weib-
liche Herme noch nicht sicher Themis: man könnte wohl auch
an eine eingestaltige Hekate oder Artemis denken, dieser die
Haarschleife auf dem Kopf, jener die auf die Schultern nieder-
fallenden Locken zuweisend67).

X. Dabei aber bleibt es nicht stehn, sondern wie schon Furt-
wängler a. 0. S. 195 gezeigt hat, nehmen die drei Mädchen selbst

67) Das von Schreiber verglichene Hekataion bei Dütschke Ant. Bildw. in
Oberital. II, 270 gehört gar nicht in diese sondern in die zweite Gattung.
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