Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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dieses Exemplar, in welchem der Bezug zur Hekate ja ganz
unzweideutig vorliegt, werden scheinbar auch die eben ausser
der Reihe gelassenen Stücke Stephani 1 und 6 wegen überein-
stimmender Gewandmotive näher an die Hekatedarstellungen
herangezogen, aber in Wirklichkeit gehörten diese Gewand-
motive gar nicht ursprünglich zu den Hekatemädchen, wie ich
jene umtanzenden nennen will, sondern sind erst durch Erwei-
terung des ursprünglichen Kreises hereingezogen.
Eben diese Erweiterung des Kreises verlangt noch ihre Erklä-
rung. Wie kommt Pan zur Hekate und wer sind jene Mädchen,
welche, eine zweite Dreiheit, der Hekate Dreigestalt umtanzen und
durch Annahme ihrer Attribute sich mit ihr identificieren ? Ist diese
ihre Identificierung oder Assimilierung mit Hekate erst aus dem
Typus der drei Tänzerinnen geworden, oder ist vielmehr dieser der
jüngere, durch Weglassung der Attribute aus jenem abgeleitet, so
wie uns oben der Typus der attributlosen Hekategestalten A erst
aus dem durch Fackel Schale u. s. w. unterschiedener drei Ge-
stalten K herzustammen schien?

Die letzte Frage beantwortet sich leicht: die tanzenden Mäd-
chen erscheinen in Wa b (c) d — ef weichen in der Kleidung ab —
als fester Typus; je mehr sie sich dagegen der Hekate anähneln,
desto mehr Abweichungen zeigen die verschiedenen Darstellungen
von einander. Es ist klar, dass jener Typus, innig verwandt einem
andern über Alkamenes Zeit hinaufreichenden, nicht von den He-
katebildern herzuleiten ist, wohl aber von hier aus umgestaltet und
entstellt worden ist, besonders in der Gruppe X. Doch auch in
den der Hekate am meisten genäherten Stücken Xab haben die
Mädchen noch die von W aber nicht von der Hekate hergeleitete
Tracht IV.

Den Ursprung jenes Typus weist uns die Gestalt des Pan,
den wir Rc und Äa, so verschieden diese unter sich waren, doch
aus einer Ueberlieferung stammend erkannten. Beidemal aber fand
sich Pan mit den drei Mädchen zusammen, denn das eine von Rc
musste als Vertreterin der drei gelten, und damit sind wir auf die
bekannten Pan - Nymphenreliefs gewiesen75). Das bestätigt am un-

7S) Furtwängler a. O. S. 200 dreht die Sache um. In dem Bestreben, auch
die Nymphenreliefs aus den Charitendarstellungen herzuleiten, beruft er sich für
die Verbindung des Pan mit den Chariten auf diejenige von Pan mit Hekate und
führt zum Erweise dessen das Hekataion Modena Rc und das Pariser Xa an.
Ich sehe den Pan, obwohl mir seine mythischen Beziehungen zu Hekate bekannt
sind, in diesem Falle erst durch jene Mädchen mit Hekate verbunden.
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