Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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zweideutigsten das merkwürdige Relief der Münchener Glyptothek
301a Brunn, von welchem schon oben hinter Am die Rede war,
und welches Hekate, die drei tanzenden Mädchen und Pan ver-
einigt zeigt, aber freilich in eigenthümlicher Weise vereinigt75*). Es
scheint aber nur eine einfache Umkehr des gewöhnlichen Verhält-
nisses, wo unten in der Grotte die drei Mädchen von Hermes ge-
führt vor dem bärtigen Kopf erscheinen, Pan dagegen in kleinerer
Gestalt oben über der Grotte auf dem Berge syrinxblasend sitzt,
wenn hier Pan (doppelt und) gross unten in der Grotte steht, da-
gegen die drei Mädchen nach rechts schreitend in kleinerer Gestalt
oben über der Grotte sichtbar sind. Offenbar ist hier Pan die
Hauptperson, während sonst die Nymphen, und dass er es in be-
sonderer Weise ist, zeigt die Doppelung rechts und links von der
durch Pinie und Altar davor getheilten Grotte. Dass der Pan zur
Rechten (ein wenig grösser) mit einem Gewand (Chlamys) bekleidet
scheint und nach seinem Gegenbild schielend die Syrinx bläst;
dieses dagegen grad aussehend Thierfell und Keule hat, während
seine Syrinx am Baume hängt, ist gewiss nicht bedeutungslos, sonst
aber erscheinen beide in gleicher Weise vorschreitend, jeder in der
andern Hand einen kampfbereit auf den Hinterbeinen stehenden
Bock packend: dass es einen Kampf gelte, deutet das kleine Relief
am Altar, zwei sich stossende Böcke über einem Gefäss darstellend,
an. Die Doppelung des Pan ist schon auf einem Nymphenrelief
angemerkt von Matz im Bulletino delV Jnstituto 1869, 131: dereine
die Syrinx blasend führt den Reigen der drei Mädchen wie meistens
Hermes, mitunter auch Pan; von dem andern erfahren wir leider

75*) Hekataia wie dieses in lebendiger Umgebung nenne ich noch folgende.
Im Kirkebilde der esquilinischen Odysseebilder, von Woermann herausgegeben,
steht im Hofthor, auf dessen innerer Seite 'ein nicht näher charakterisirtes Hermen-
bild', wie der Text S. 10 sagt. Wegen der hohen Basis und des Polos wird es die
Prothyraia sein, Hekate bei Medea doppelt angebracht. Auch scheint ein senk-
rechter Theilstrich eine mehrköpfige Herme anzudeuten. Die Form derselben gleicht
derjenigen einer Münze von Aigina in der Arch. Zeit. 1843 T. IX, 8 abgebildet und
gewiss Hekate so gut wie daselbst auf 7 und 8. — Eine zweifelhafte Darstellung
kommt unten, Anm. 108 zur Sprache. -— lieber die von Gerhard Akad. Abh. I
S. 278, 17 erwähnte kleine spätrömische Erzgruppe gallischer Abkunft: ein Hekate-
bild von einem Pinienapfel bekrönt (vgl. Ud und Anm. 27), auf einem Wagen
stehend den Venus lenkt, muss ich mich des Urtheils enthalten, da mir Grivaud
antiquitös gauloises (pl. XXV, 7) nicht zur Hand sind. — Das von Lübbert Annali
1865 F besprochene Vasenbild hat mit Hekate nichts zu thun; ebensowenig nach
der Beschreibung das Relief bei Gerhard Ant. Bildw. T. 75,1 und also auch die
von Brunn Annuli 1856 S. 114 besprochenen Opfertische in Reliefdarstellung nicht.
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