Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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Fackel wegen lieber sagen möchte, Hekate86). Von Hekate als
der jegliche Frucht zeitigenden Göttin war oben die Rede; auch
Selene wird im orphischen Hymnus 8, 5 cpepeKapne angeredet, wie
35, 1-4- Artemis gebeten zu kommen oofoucra xaA.oug Kapnouc; dno
Tauig? und Pan den wir ja in Verbindung mit den Mädchen neben
Hekate auftreten sehen, wird wiederum freilich im orphischen Hym-
nus 10 sowohl aüvöpove "Qpaig als cruYXope Nuuqpms angerufen. Hier
aber, wo er selbst den Fruchtkorb auf dem Kopfe trägt RcX<i
und einmal (Mc) ein Mädchen mit einem mvalE auf dem Kopfe ihm
entspricht, werden wir eher den cTuvGpovog "Qpaig verstehn.

Endlich wird auch die Angabe des Tzetzes zu Lyk. 674: Hermes
sei deshalb rpixecpaXos, weil er eTTeicreXöwv xrj 'Exdin tpeig eöxev
e£ aur% GuYaiepag in Beziehung zu unseren Darstellungen stehen,
ob aber unter den Töchtern von Hermes und Hekate hier etwa die
Chariten oder Hören gemeint sind, weiss ich nicht. Das erreicreXGuuv
geht wohl auf die Höhle der Hekate und ist zu vergleichen was
von Pan und Selene Dilthey in der Arch. Zeit. 1873 S. 747 3 zu-
sammenstellt. Die Jahreszeiten sind Töchter von Helios und Selene
bei Quintus Posthorn. 10, 337.

So ist es denn kaum möglich, sich zu entscheiden, ob Hören,
Chariten oder Nymphen. Und in der That scheint die Scheide
zwischen jenen Schwestervereinen, zu denen noch Musen Kekro-
piden und andere sich gesellen, vorzüglich im Namen zu bestehen.
Berücksichtigt man nicht blos oder in erster Linie die gemeingiltigen
Blüthen der Poesie und Kunst, sondern auch die localen Sonder-
formen, so sieht man die Vorstellungen ineinander rinnen und alle
wesentlichen Züge allen gemein, nur die Nymphen reicher ent-
wickelt 87).

Ilias und Odyssee sind Hören und Chariten, Nymphen und
Musen wohlbekannt, aber sie treten noch nicht verbunden auf wie
im jüngeren Epos, Hören und Chariten in den Kyprien Fr. 3 Kinkel
in Hesiods Werken u. T. 63, Chariten und Musen bei Kadmos1
Hochzeitsfeier nach Theogn. 15, bei Hesiod Theog. 64, im Homer.

86) Ein Tischbeinsches Vasenbild, wiederholt in den Denkm. alt. Kunst 11,564
zeigt ebenfalls tanzend eine Frau oder Mädchen mit zwei Fackeln und ihr folgend
zwei Mädchen, die Bacchantinnen viel weniger gleichen als den Nymphen-Horen
der attischen Votivreliefs.

87) Vgl. Robert a. O. S. 149 eine freilich etwas künstliche Gleichung der
attischen Chariten und der Kekropiden, und v. Wilamowitz-Möllendorf aus Kydathen
S. 141.
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