Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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Zukünftigen, aber wie von ihrer Weisheit Nem. 4, 2, so sagt Pindar
N. 4, 7 auch:

öti kg avv XapiTuuv ruxa
YXüuacra cppevög eHe'Xot ßaGeiac,

ähnlich Aristophanes Vög. 1320 und Schol. Plut. 773. Bei den
Chariten hat gewiss der Name den ekstatischen Grundzug am meisten
zurückgedrängt, aber in der merkwürdigen Ueberlieferung bei Pau-
sanias 8, 34, 1 müssen wir doch die Maniai und Charites als eigent-
lich dieselben anerkennen, wie Erinyen und Eumeniden: die Maniai
wurden durch die bekannteren Eumeniden interpretiert; jene sind
es also, die erst schwarz, hernach weiss erscheinen, und wer können
die daneben Opfer empfangenden Chariten sein als die weiss ge-
, wordenen Maniai - Eumenides? Aehnliches Wesen der Göttinnen
scheint Apollodor 3, 15, 7 für Paros zu bezeugen.

Auch an den Hören tritt das Ekstatische wenig hervor; aber
sie sind der alten Orakelgöttin Themis zu Töchtern gegeben; auch
ihre dpxaia crocpiauaia preist Pindar Ol. 13, 16 und nennt sie Fr. 6
dXaGea?.

Webend wunderbares Gewand kennt man die Nymphen, ein-
zelne wie alle, und singend bei der Arbeit Kalypso und Kirke, und
selber tragen sie solches Gewand XeTTiöv Kai xaP^v? die Xmapoxpri-
beuvoi heissen wie die Chariten, oder Xeuxeiuoveg im orphischen
Hymnus 50. Besonders dpYuqpeov ueya qpäpog wird bei Kalypso her-
vorgehoben, doch auch die Chariten weben II. 5, 338 der Aphrodite
Gewand, Avie die Hören sie kleiden im Horn. Hy. 6, 7, beide zu-
sammen ihre Kleider fertigend im Fragment der Kypria 3 K. Hesiod
unterscheidet offenbar, wenn er Pandora in den Werken u. T. von
den Chariten mit Goldschmuck, von den Hören mit Blumen
schmücken lässt, aber im Horn. Hy. 6, 5 sind es die Hören, welche
der Aphrodite Goldschmuck anlegen, und in Fr. 4 der Kyprien
wird sie von Chariten und Nymphen mit Blumen gekränzt. Und
wieder sind Blumen und Kränze nicht blos Abbild und Zubehör
der Jungfräulichkeit, sondern nur die lieblichste mädchenhafteste
Aeusserung der überhaupt in Grün und Blumen der Auen, wie in
Bäumen und Früchten Wachsthum und Gedeihen fördernden Göt-
tinnen , der Chariten wie der Hören und Nymphen. Für die Hören
bedarf das keines Wortes. Die Chariten feiert Stesichoros beim
Beginn des Frühlings (Schol. Aristoph. Frie. 797), und wie oft nicht
Horatius, mit den Nymphen und Aphrodite sie verbindend. Gärten
der Chariten, Pindar in oft gebrauchtem, auch auf die Musen aus-
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