Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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gedehntem Gleichniss 89j bekannt, finden wir in conkreterer Vor-
stellung in Aristophanes' Vögelchor 1099:

ripivd T6 ßoffKÖueGa TiapOevia
XeuKÖxpoqpa uupra XapiTuuv re KnTTeüjuaTa.

In Orchomenos empfingen sie die Erstlinge nach Ephoros in den
Scholien zur Ilias 1, 381 und in Athen kennen wir jetzt ihre Namen :
Thallo Auxo Karpo, deren zweiten Pausanias 9, 35 nach eigenem
Ermessen eher einer Höre zukommend befindet90i, während erden
dritten schlechtweg als zweite Höre nennt, vielleicht damit nur den
zweiten Schritt zu jenem ersten thuend. Der Nymphen Xeiuujveg
und TTicrea Troirievta, ihr Leben in und mit Bäumen ist bekannt.
Wie grünt und blüht es nicht um Kalypsos Grotte, wo auch frucht-
tragende Bäume nicht fehlen; und Pausanias 9, 24, 4 vergisst nicht
beim Nymphenhain in Kyrtones hervorzuheben , dass alle Bäume
fiuepa seien. Die ßiöbuupoi heissen die Nymphen dem Aischylos im
Fr. 162, die KOtpiroTpocpoi im orphischen Hymnus 50.

Der Nymphen Lieblingsaufenthalt, Grotten, auch für der Ke-
kropiden eine bezeugt, finde ich für Chariten und Hören nicht nach-
gewiesen, aber auf den Bergen hausen wie Nymphen und Musen
auch Chariten im Anfang von Hesiods Theogonie und die Hören in
den merkwürdigen Versen der Ilias 5, 7 9 (8, 393). Da sind sie
zunächst in unzweideutigem Ausdruck die Thürhüterinnen. Ebenso
finden wir die Chariten öfter Wache halten am Eingang von Heilig-
thümern91) und in Megara haben wir bei Paus. 1, 44, 3 Nuuqpdbe?
TTüXai und daneben jenen Apollon Karinos und Eileithyien wie sonst,
Hermes oder Agyieus und Hekate. Und sollte auch hier die Be-
ziehung der Nymphen zum Thor unsicher scheinen, so sehen wir ja
eben bei Hekate, wie Hütung des Thors und Hausen in der Grotte
zusammengehört: das Thor ist nur der bewegliche Theil der Um-
schliessung. In den Wolken der Hören ist beides geeint. Sollte

89) Vgl. P. 6 Anf. N. 6, 36. 10, 26. Ol. 9, 26.

90) Das sah auch Zoega zu B.R. 94, aber erst Robert a. O. hat die »Sache
völlig- ins Reine gebracht.

91) Darauf macht Furtwangler a. O. S. 187, 1 aufmerksam. Zu den Chariten
in den Propylaeen der athenischen Burg Paus. 1, 22, 8, vor dem Athenatempel in
Erythrai Paus. 7, 5, 9, im Pronaos des Heraion bei Mykenai Paus. 2, 17, 3 kommen
noch dieselben im Pronaos eines Tempels in Kyzikos, da soviel wenigstens in dem
Epigramm der Palat. Anthol. 6, 342 deutlich ist, endlich am Zugang zum tempel-
gleichen Throne des Apollon in Amyklai nach Paus. 3, 18, 15. Das Epigramm
Anthol. VII, 733 auf zwei Priesterinnen der Chariten und Demeter irpö iröXeux;
und dazu Boeckh im Corp. inscr. gr. I, 608 weist mir Benndorf nach.
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