Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

Seite: 48
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1881/0052
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
48

wohl dem Qeffnen der Wolkenthore, der donnernden, eine andere
Anschauung zu Grunde liegen, als wenn Pindar der Hören Gemäch
im Frühling sich aufthun lässt in dem Fragment des berühmten
Dithyrambos:

öttöV oixöevrog BaXduou
eüobuov eTTGüuuarv eap qputd veicrdpea9")

Aber das wesentlichste ist, dass die Thore eben Wolken sind. Zu
den Hören beteten die Athener nach Philochoros bei Athen. 14, G5G
die grosse Hitze zu dämpfen u€id be tf\g auppeipou öepiaaaiag Kai
ubdiuiv exieXeiv id qpuöueva, was vermuthlich an- den Thargelien
geschah. Ob es nicht jene waren, die man sonst Chariten nannte:
Thallo, Auxo und Karpo? Drum kann auch der Hirt bei Theokrit
1, 136 seinen Becher rühmen :

i , j ujs KaXöv öabei
cQpdv TreTrXuaQai viv erri Kpdvaicri boKnaeig.

Themis, die der Hören Mutter ward, holen die Moiren bei Pindar
Fr. 7 B. zur Hochzeit .mit goldenen Rossen von den Quellen des
Okeanos, von dort wo auch der andern Mädchen Ursprung ist.
Denn Eurynome, der Chariten Mutter, war des Okeanos Tochter,
und wenn die Chariten selbst von den elischen Frauen gerufen
wurden mit Dionysos zu erscheinen, kann man nur verstehen, dass
sie aus den Wassern kommen j wohin Dionysos in der Ilias 6, 135
mit seinen Ammen flüchtet, Avährend er nach böotischem Glauben93)
bei den Musen Aufnahme fand. Am Wasser hatten die Chariten
ihr berühmtes Heiligthum in Orchomenos nach Pindar Ol. 14, am
Wasser in Sparta nach Paus. 3, 18, 4. Sie baden Aphrodite in der
Odyssee 8, 3G4 und im Horn. Hy. 4, 58, wie sich selbst94); daher
zuletzt das Xapixujy Xompov im Corp. inscr. 6191. So baden auch
die Musen sich im Beginn von Hesiods Theogonie und trotz Deiters
Widerspruch wie Rödigers Fürsprache im achten Supplementbande
zu Jahns Jahrbüchern werden die Musen von den Quellen so wenig
sich trennen lassen wie die Nymphen. Am Okeanos dürften jene
Gärten der Chariten zu suchen sein, nur anders benannt als jener
Wundergarten, den Euripides schildert im Hippolytos V. 742. Dort
ist ja die Au, auf welcher Persephone mit des Okeanos' Töchtern
spielt. Dort denkt sich Aristophanes die Wolkenmädchen:

!) Vgl. A. Mommsen Delphika s. 78.
') Plutarch symp, qu. VIII prooem. 1, 4.
') Vgl. O. Müller Orchomenos s. 173.
loading ...