Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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dem er die bei Homer genannten oder beschriebenen Localitäten
zunächst durch die Personen dargestellt, diese mit den Beischriften
bezeichnet wähnte, während in Wahrheit jene Localitäten gemalt
und inschriftlich bezeichnet sind, ausserdem aber belebt nach ge-
meingriechischer Weise durch Figuren des Mythos wie die Nym-
phen oder des Lebens wie den Schiffer. Philostratos kann für bild-
lich dargestellte Skopiai nicht zeugen. In keiner der von Heibig
angeführten Stellen ist ein Ansatz zur Personifikation der ctkottiou
selbst: diese sind vielmehr als die Warten des Zeus, oder in den
meisten Fällen eben der Nymphen ganz ausdrücklich bezeichnet,
so Eur. Hei. 769, 1324, El. 445 und wohl auch Phoen. 232; nicht
anders bei Alexandrinern wie Lykophron 274, Theokrit. Id. 1, 68,
Apollonios 1, 549 und 1226 ganz wie schon Homer Od. 6, 122 wenn
auch ohne Erwähnung der o~kotticu. Also sind die vermeintlichen
Skopiai und nicht anders die Aktai schlechtweg Nymphen. Die
cfkottiou der Nymphen sind aber für ihre Deutung von Belang. Denn
wie Zeus, dessen o~kotti& bei Sophokles Fr 217 N. begegnet, in
Wolken sich hüllt, wenn er Ausschau hält in Ilias 8, 50 und 15, 153,
so wird man die Nymphen nicht vom hellen sondern vom umhüllten
Gipfel (Berghauben) ausschauend gedacht haben, wie Aristophanes
die Wolken selbst schildert V. 279.

Die Wasserfrauen oder Wolkinnen sind auch die Kinderpfle-
gerinnen, die das neugeborne Kind baden (einhüllen), pflegen und
nähren; so vorzüglich wieder die Nymphen Zeus, Hera, Hermes,
Dionysos, Pan, Hippolytos, den Sohn Aphrodites im Horn. Hy. 4,226,
des Dionysos in Sophokles' Kön. Oed. 1109 nach Idee des Chors,
Angelos d. i. Hekate in den Scholien zu Theokrit Id. 2, 12; doch
auch die Chariten Hera und Dionysos, und daher wohl ursprünglich
XocpiTuuv öpeuuot bei Aristophanes Ekkles. 972 ein Kosename für die
Liebste wie Xapixwv qpuxöv bei Theokrit 28, 7. So haben ferner auch
Hören die Hera gepflegt und Hermes, Aristaios und Dionysos. Und
wie hier so sehen wir auch sonst mit Zeus, Hera, Apollon, Artemis,
Aphrodite, Dionysos, Hermes vornehmlich Hören, Nymphen und
Chariten ungefähr in gleicher Weise verbunden.

Auch die Eigennamen dieser Mädchen wie die Beiwörter, die
ihnen gegeben werden, lassen leicht ihre freilich mehr allgemeine
Verwandtschaft erkennen.

Wie Glaube, Sage und Dichtung so gestaltete auch die bil-
dende Kunst jene Schwestervereine sehr ähnlich, auch sie der Nym-
phen mehr abgesonderte Stellung wahrend. Denn obwohl es in den
vielen ländlichen Heiligthümern derselben keineswegs an geweihten
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