Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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man wohl Furtwängler beistimmen müssen, der nicht nur eine Reihe
von Dreigestalten in Athen, sondern namentlich auch die bekannten
Pan - Nymphenreliefs aus jenem Typus ableitet und auf mehreren
derselben auch Chariten nicht Nymphen erkennen will. Aber die
Erinnerung an die älteren Darstellungen der Chariten , Hören und
Nymphen lässt mich jene Voraussetzung bezweifeln. In jenen Cha-
ritenreliefs ist weder das Handfassen noch die Verschiedenheit der
Gewandung etwas für die Chariten Charakteristisches. Jenes gehört
zum Reigentanz, dieses ist Sache des Stils und zugleich Folge des
Handfassens, welches ja dem mittleren Mädchen nicht wie den
beiden äusseren eine Hand frei lässt zur Haltung des Mantels,
Wechsel in Haartracht und Kleidung zeigt schon der Reigen des
Theseus auf der Francoisvase; die Wendung des Kopfes, die hier
noch fehlt, weisen alsbald in ähnlicher Composition schwarzhgurige
Vasen auf, z. B. in Gerhards Auserl. Vas. 71 Hera. Athena, Aphro-
dite zu Alexandros geführt, also natürlich ohne Handfassen, vgl.
72 f. und 355, auch noch spätere Reigentänze wie bei Stephani
CR. 1869, 4 und Heydemann V. B. I. Xenophon endlich im Sympos.
7, 5 bezeugt nicht Uebertragung der Tanzschemata von Chariten
auf Nymphen und Hören, sondern gleichmässige Darstellung aller
drei Gruppen.

Wenn aber auch der Typus nicht den Chariten ureigenthüm-
lich und erst von diesen auf die Nymphen übergegangen ist, so
sind jedenfalls die drei Mädchen der Nymphenreliefs häufig denen
der Charitenreliefs äusserst ähnlich in der Kleidung wie in der vor-
wiegend linkshin gehenden Bewegung und gleicher Seitenwendung
der mittleren.

Aber auch zu Hören werden sie, wie die Wolken des Aristo-
phanes V. 1116 ff. eben der Wohlthaten sich rühmen, um die nach
Philochoros die Hören von den Athenern gebeten wurden. In einem
Relief von Megalopolis kommt zu dem Unterschied der Bekleidung
noch die von Michaelis wohl bemerkte Ekstase des zwischen dem
schwerer und dem leichter bekleideten schreitenden Mädchens98),
das den Frühling darstellt und als deutlichstes Kennzeichen die
Früchte in der Hand der dritten. Aber auch viele andre jener
Reliefs weisen eine Abstufung von vollerer zu leichterer Gewandung
auf, die nach der Abfolge der Gestalten nur auf die Hören deuten
kann, während doch die constante Umgebung des Felsens, mit Pan,

9S) Heydemann die antiken Marmorbild. 779 hat nicht Recht, wenn er auch
die beiden andern den zurückgesetzten Fuss vom Boden heben lässt.
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