Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

Seite: 55
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Chariten, wie auch Musen xPucraM7TUKe£ heissen, jene beide auch
XmapoKpribeuvoi, oder auf Kalypso zu verweisen, wie sie

KecpaXig ö5 eTreBnKe KaXün-Tpnv

wird bei so reich vorhandener bildlicher Ueberlieferung nicht erlaubt
sein. Jeder wird dagegen sofort an die Hekate selbst denken, die
ja gelegentlich den Schleier und regelmässig den Polos, nicht selten
aber den hohen Kalathos auf dem Kopfe trägt104). So hat denn
Wieseler zu den Denkm. a. K. II, 840 es ausgesprochen, dass die
drei das Hekataion umtanzenden Mädchen vielmehr 'die dreifache
Hekate in der Auffassung der Hören sei5105). Dass Wieseler dabei
wirklich Hekate unter den Mädchen versteht, auf die nur die Com-
positionsform der Hören — und wir müssen zufügen der Chariten,
Nymphen — übertragen sei, geht namentlich daraus hervor, dass
er als Analogien solche Darstellungen anführt, in denen eine Gott-
heit und ihr Bild nebeneinander vorkommt. Dieser Auffassung
scheint nun die Gruppe X stark das Wort zu reden, auf die der
schon von Jahn angeführte Vers jenes Gebets an Selene:

f\ XapiTuuv tpicro~ujv Tpicraa!? (uopqpaTcri xopeuei?

von Furtwängler a. O. angewandt ist.

Aber auch in älterer Ueberlieferung zeigt sich unverkennbar
eine grosse Uebereinstimmung des Wesens zwischen Artemis-Hekate-
Eileithia und jenen Dreivereinen. Die diesen gemeinsamen und
namentlich auch die bei den Nymphen reicher entwickelten Züge
finden sich unschwer auch bei jenen Göttinnen wieder, wenn auch
hin und wieder etwas verändert und im allgemeinen grösser ange-
legt oder grösser ausgeführt.

An Spiel, Gesang und Tanz nimmt Artemis wohl Theil, aber
bei ihr, der einen ist doch vorwiegend das Schweifen in Wald und
Berg, bei Hekate das Wandern auf Weg und Strassen. Nicht Sang
sondern lauter Ruf erschallt von Artemis der KeXaöeivri, wie aber
auch die Chariten heissen; die öXoXuYr) gehört zur Artemis wie He-
kate und ist das

iepöv ueXog GlXeiBuing.

104) Eusebios praep. evang. 3, 11, 32 = Scholien zu Theokrit 2, 33 ö b£
k(x\ci6o<; ov eiri toi; |uexeu)poi(; cpepei.

105) Allerdings wie die Hekategestalten sehr häufig an den Ecken des drei-
seitigen Pfeilers standen, so sind ja auch die tanzenden Mädchen in Wb deffXa
bd an die Ecken des Hekataion gestellt; doch zweifle ich, dass daraus etwas zu
folgern ist. Ist ja doch grade in den angeführten Fällen die Stellung der Hekate-
gestalten nicht diejenige der Mädchen.
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