Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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der Fall sein würde. Die tanzenden Mädchen sind der Hekate
offenbar untergeordnet, sie tanzen den Reigen um das Bild augen-
scheinlich zu dessen oder der Göttin Ehren, nicht wie Odysse 6, 105
wo die Göttin mit ihnen 'spielt3, sondern mehr wie in den oben
angeführten Stellen des Kallimachos und Apollonios oder bei letz-
terem auch 1, 1222, wo

Nuucpdwv i'crxavTO xopoi' jueXe fdp acpiai Trdcraig
öoom KeTcr5 eparöv Nüuqpai piov duqpeveuovTo
"Apreuiv evvuxinö"iv dei jue\Treo~0m doibcu?.

Wie hier göttliche Nymphen so im Homerischen Hymnus 4, 118
sterbliche

vuuqpai Kai Trap0evoi dXcpeaißoica

wie auch in Karyai die Lakonischen Jungfrauen des Ortes der
Nymphen Stellvertreterinnen scheinen.

Weil der Reigen der Göttin gilt, darum sind auch die Mäd-
chen so festlich gekleidet und ist ihre Gewandung in hieratischem
Stile gehalten; darum tragen sie auch, durchaus nach griechischem
Cultgebrauch, den Kalathos, das Abzeichen der Göttin — also viel-
mehr Nymphen oder Chariten oder Hören unter der Auffassung der
Hekate, als Hekate unter der Auffassung der Hören. Bekannt ist
der vorzüglich der Artemis zu Ehren gefeierte Kalathostanz, oder
gar die tanzenden xdXaGoi, so genannt, weil sowohl der ganze Reigen
zum Ring geschlossen einem Kalathos glich, als auch namentlich
die einzelnen Mädchen nach ihrem Hauptschmuck, dem heiligen
Kalathos genannt werden konnten l09). Und wie man statt des wirk
liehen Opferthiers ein kunstvolles Bild desselben der Gottheit weihte,
so stellte man bekanntlich statt wirklicher Chortänze auch im Bilde
sowohl ganze Reigen wie einzelne oder etliche zum Festtanz ge-
schmückte Mädchen im Heiligthum auf110). Beispiele dessen waren
die in Olympia aufgestellten Knabenchöre von Kallon und Kaiamis
und wahrscheinlich auch mehrere Werke, welche unsere Ueberlie-
ferung nur noch aus dem ursprünglichen Zusammenhang gerissen
kennt, wie die Caryatides des Praxiteles oder Kallimachos' saltantes

109) Vgl. Stephani O. B. 1865 S. 26 und 64 ff., wo sowohl Kalathostänzerinnen
mit kurzer als solche mit langer Gewandung nachgewiesen werden.

110) Curtius in der Arch. Zeit. 1880 S. 17 nimmt vielleicht zu ausschliess-
lich Dank für die Auszeichnung, zu solchem Dienst erkoren zu sein, als Grund der
Weihung solcher Statuen an. Weiterhin bemerkt er aber gewiss mit Recht, das«
man solche Kalathosträgerinnen nicht überall oder auch nur vorzüglich als Stütz-
figuren zu fassen habe.
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