Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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Lacaenae, die vielleicht gleich vielen jener Kalathostänzerinnen kurz-
geschürzt waren; nicht tanzend aber doch in gottesdienstlich fest-
lichem Aufputz und durch jedenfalls langes Gewand unseren Mäd-
chen näher kommend die Kanephoren des Polykleitos. die indess
die erhobenen Hände am Korb hielten11'), desgleichen von Skopas,
auch bei Plinius 34, 69, wo als Werk des Praxiteles unstreitig
leichter errephoram als mit Urlichs eanepkoram oder gar mit Stephani
(CR. 1873, 159) oenochoam herzustellen ist. Wichtiger sind die Bilder,
wrelche Pausanias 8, 31 noch an Ort und Stelle sah im Tempel der
Grossen Göttinnen zu Megalopolis, vor den Colossalbildern vor
Demeter und Soteira KÖpai ou ueydAai ev xnwöi re KaGriKOudiv eg
tfqpupd Kai dv0üuv dvdrrXeuuv exaiepa im tv\ KeqpaAn. cpepei. Töchter des
Damophon, welcher ja die Hauptbilder verfertigt, nannten sie die
einen, Artemis und Athena die andern. Richtiger möchte man sie
Nymphen nennen, aber in jenem Doppelsinn göttlicher oder mensch-
licher Dienerinnen der Göttinnen. Aehnliche Figuren finden sich
auch manche noch in unseren Museen, allem Anschein nach öfters
zwei oder mehr zusammengehörig112). Sehen wir von den atheni-
schen Kanephoren und ihren Nachbildungen, die als Gebälkträge-
rinnen gedient haben ab, obgleich der Grundgedanke wesentlich
derselbe, so sind diese Figuren, sie selbst oder ihre Originale theil-
weise wenigstens auf zierliche Werke des vierten Jahrhunderts
zurückgehend, durch gemessene Haltung, reiche Kleidung, auch
Geschmeide, und besonders den Kalathos, über dem vereinzelt auch
der Schleier sich findet, als der Gottheit dienende Mädchen leicht
kenntlich. Trotz des freieren Stils kommen sie doch in der Ge-
sammterscheinung den Hekatefiguren, besonders des Typus A aber
auch jenen archaisirenden Venus-Libitinaidolen nah, wie wohl auch
die Hören und Chariten am Amyklaeischen Thron den Bildern von
Artemis, Kore, Aphrodite unter den Dreifüssen daselbst nahe ge-
kommen sein werden. Denn auch diese dürften, wie sonst wohl
eine Säule, den Lebes stützend angebracht gewesen sein, wie ja
Aphrodite z. B. als Spiegelstütze nicht selten ist.

Cuvtius a. O. S. 27 sieht freilich ein arges Missverständniss darin, dass
man manibus sublatis hei Cicero inVerrem IV, 35 von beiden Armen jedes Mädchens
gesagt sein lasse. Vgl. Clarac 442, 807.

112) Vgl. Clarac 441, 807 und 443 ff.; ein schöner Kopf von einer solchen
im Centraimuseum in Athen wohl gleich Heydemann die antiken Marmorbildwerke
62. Andrer Art Wieseler Denkm. alt. Kunst II, 92; vgl. Stephani a. O. S. 27, 1.
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