Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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den Händen gehaltenen Attribute, die trotz aller Verschiedenheit
der Auswahl und Vertheilung doch ebenso gut einen geschlossenen
Kreis bilden wie diejenigen der ersten Classe und ebenso gut wie
dort sich verbinden lassen etwa wie auf den Reliefs BB ab c und
Statuen AAab, von Münzen etwa CCk2, d. h. zwei Fackeln der
mittleren, Schlüssel und Strick, aus dem vielleicht erst die Peitsche
durch Missverständniss geworden, bei der linken, Dolch und Schlange
bei der rechten Nebenfigur — diese Uebereinstimmung macht klar,
dass wir auch hier es mit einem zu Grunde liegenden Typus zu
thun haben. Wie schon bemerkt grenzt das Verbreitungsgebiet
dieses Typus von dem des ersten sich ziemlich scharf ab: die
Münzen zeigen ihn in Kleinasien heimisch125), die Reliefs, die von
den übrigen Denkmälern am wenigsten dem Verdacht der Ver-
schleppung unterliegen, im unteren Donaugebiet. Griff der erste
nachweisbar nur mit Ca aus Pergamon, Gb aus der Nähe von
Knidos, Ma von Kyrerie in das Gebiet des zweiten ein, so dieser
nachweisbar nur mit CCa von Argos in jenes. Die Uebergangs-
form Y entstammt wie es scheint aus dem Gebiet der zweiten
Classe.

Ebenso gewiss aber wie der zweite Grundtypus von dem ersten
abweichend ist, eben so gewiss setzt er diesen voraus und ist aus
ihm hervorgegangen. Es ist nicht wohl denkbar, dass der Ent-
wickelungsprocess, welcher mit der Schöpfung des Alkamenes ab-
schliessend zur vollen Dreigestalt führte, anderswo noch einmal
selbständig gemacht sei: wir erfahren nichts davon. Auch ohne
dass in Kleinasien und Kyrene Hekataia der ersten Gattung ge-
funden wären, dürften wir überzeugt sein, dass diese Form der
Hekate auch ausser dem Mutterlande bekannt geworden. Nun sind
ja auch nicht blos neben sondern sogar in den Abweichungen des
zweiten Haupttypus die Grundzüge des ersten nicht zu verkennen:
drei vollständige Gestalten um einen Pfeiler, in gegürtetem Doppel-
chiton, welche Tracht auch dort die häufigste war1!26), mit dem Kala-

125) Von der Hekate des Menestratos, welche durch merkwürdigen Zufall in
der Nähe von Hercules und Chariten sich findet, erfahren wir aus Plinius n. h.
36, 32 ja nur, dass sie von blendendem Marmor in teniplo Dianae post aedem
Dianae aufgestellt war. Dreigestalt entnehmen wir wohl aus Strabo 14, 641. Denn
obwohl man dessen uexä töv veuüv irrig local verstanden, ist das Hekataion doch
wohl mit jenem identisch und nicht ein Werk des Thrason.

126) Namentlich wenn man auch Tracht IV hinzunimmt. Auch die Aermel
wie sie z. B. in BB ah c erscheinen, gleichen namentlich durch die straffe Span-
nung den in I gewöhnlichen. (In L. v. Sybels Katalog ist bei Hekatebildern öfter
von der Achselschnur die Rede, wie ich überzeugt bin, nur durch Verkennung jenes
Umstands.)
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