Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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sein Schüler ist Phidias, für die beiden anderen Athen nur als der
Ort ihres Wirkens. Zwar den Kritios nennt Pausanias 'Attikö^,
das schliesst aber zum Mindesten fremden Ursprung nicht aus, den
der Name seines Genossen bezeugt. Dazu passt es, dass die Spuren
ihrer Schule sich nicht in Athen nachweisen lassen2). Pausanias
gibt sie bis ins fünfte Geschlecht an, und da sehen wir sie denn
von Korkyra über Kreta und Kalauria in die sikyonische einmünden.
Auch was wir über ihre Thätigkeit erfahren ist bezeichnend. Wir
hören von keinem Götterbild ihrer Hand, sondern nur von Porträt-
statuen. Aehnlich wie noch neben Phidias und seiner Schule Kresi-
las steht der Kydoniat.

Hegesias ist aber auch der einzige Künstler dieser Zeit, den
uns die gewiss eher in entgegengesetzter Richtung tendenziöse
Ue berlieferung als eingeborenen Athener bestimmt anzunehmen er-
laubt. Ihm, als dem attischen Schulhaupte stellt Pausanias Ageladas
als den gleichzeitigen Führer der peloponnesischen Kunstschule gegen-
über. Des Kaiamis wird hier ebensowenig gedacht, wie in der er-
wähnten Pliniusstelle, und seine Nennung lag doch, war er ein
Athener, gerade hier zunächst. Abgesehen von anderen Gründen
hatte doch Onatas, um dessen Zeitbestimmung es sich in dieser
Stelle handelt, mit Kaiamis und Ageladas, wie ich unten zeigen werde,
zusammen gearbeitet.

Seltsam genug: während uns über manchen weniger berühmten
Meister mehr als ein Ursprungszeugniss vorliegt, während eine locale
Tradition uns Genaueres von einem seiner sonst ganz unbekannten
Schüler Praxias erzählt, lässt uns hier die litterarische Ueberliefe-
rung ganz im Stich. Es scheint, als ob man schon im Alterthume
alles was man von ihm wusste allein aus seinen Werken abstra-
hirte. So fände ein chronologischer Schnitzer des Pausanias 8) wie
die schon früher hervorgehobene Unwissenheit des Plinius betreffs
dieses Punktes ihre natürlichste Erklärung.

Seine Werke aber haben , namentlich nach ihrer stilistischen
Seite hin, die eingehendste Würdigung gefunden. Zunächst in der
Heimat vergleichenden Kunststudiums, den Rhetorenschulen. Da
gehörten sie zu den stehenden Paradigmen, galten als monumentale
Verkörperung jener in ihrer Alterthümlichkeit doppelt anziehenden

2) Paus. VI 3. 5. NriauuTn«; als Heimathsangabe C. I. A. I 357. Vergl.
Löscheke Mitth. des archäol. Inst, zu Atben Bd. IV 305 u. Milchhöfer daselbst S. 76. 2.

3) I. 3. 4.
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