Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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Grazie, deren Schatten die antiken Zauberlehrlinge so gern herauf-
beschworen. Von hier aus datirt noch die späte Berühmtheit
unseres Meisters , den aber der Schöpfer des Apollokolosses von
Apollonia zum Theil auch seinen kleinen toreutischen Arbeiten ver-
dankt. Aehnlich ward sein Geistesgenosse Strongylion bei Lebzeiten
durch sein riesiges hölzernes Ross, in späteren Jahrhunderten durch
eine Statuette populär.

Doch die toreutischen Arbeiten des Kaiamis sollen einem
Namensvetter gehören4), da Plinius in dem Buche über die Mar-
morarbeiter ein Werk des Kaiamis mit dem Beisatze caelatoris
illius erwähnt. Aber den früher erwähnten caelator hat er von
dem Erzbildner nicht geschieden und hätte es jetzt wenigstens
thun müssen, wie in der angezogenen Parallelstelle 36. 33 Täurisci
non caelatoris illius sed Tralliani. Und der Marmorapollo dieses
Caelators passt ja zu den zweien, die wir vom Erzbildner kennen.
Plinius trennt ziemlich äusserlich die Künstler, die in Edelmetall
gearbeitet haben, von den Meistern der Bronzekunst. Diese Tren-
nung ist, soweit sie überhaupt eintrat, aber erst das Ergebniss eines
weit fortgeschrittenen Entwicklungsprocesses der antiken Kunst.
Das lehrt die Ueberlieferung selbst, die Natur der Sache und das
Beispiel der Renaissance. Nun gibt aber Pausanias als das Mate-
rial des sikyonischen Asklepios des Kaiamis ausdrücklich Gold
und Elfenbein an 5) und für den Apollokoloss dürfen wir wohl das
gleiche vermuthen. Brunn nimmt ihn für ein Erzwerk 6), offenbar
weil ihn Plinius im Buche über die Erzbildner erwähnt, aber es
steht ja auch der Zeus und die Parthenos des Phidias am selben
Ort, anderer Dinge, die da stehen, nicht zu gedenken. Die Angabe
der Kosten, fünfhundert Talente, hat nur so einen vernünftigen
Sinn. Plinius, der ja nicht einmal den Namen des Meisters nennt,
kann über die Geschichte der Arbeit hier keineswegs so viel ge-
wusst haben wie' etwa beim rhodischen Koloss, der, obgleich er
mehr als doppelt so gross war, obgleich eine höchst beträchtliche
Entwerthung des Geldes dazwischen lag, um zweihundert Talente
billiger zu stehen kam. Unter dieser Preisangabe ist wohl das Ge-
wicht des Goldes zu verstehen. Sie mag leicht nicht ganz zuver-
lässig sein — genau dasselbe Goldgewicht wird gelegentlich für die

4) Overbeck Schriftq. zn 509—11.

5) II. 10. 3.

6) Kstlgesch. I 126, ihm folgt Overbeck Gesch. d. gr. Plastik 3 S. 218.
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