Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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TrapeffKeuacre. Und das ist auch für den Endoiosmythos lehrreich.
Ausserdem sind sowohl für Tegea als auch für Erythrä uralte Bezüge
zu Kreta sicher bezeugt12), und dass auch sonst kretische Künstler
für Kleinasien thätig waren, geht auch aus der Ueberlieferung von
Werken des Dipoinos und Skyllis in Krösos' Besitz hervor. Schliess-
lich ist auch die Technik des Endoios altkretisch oder um bei
dem geläufigen Ausdruck zu bleiben dädalisch. Holz und Elfenbein
sind ja auch als Material der Kreter Dipoinos und Skyllis wie
ihrer nächsten Schüler bezeugt.

Von „weissem Steine" werden uns wohl die Hören in Ery-
thrä vor dem Tempel der Athena Polias überliefert, aber die eigen -
thümliche Gleichung, in die sie Pausamas mit dem Holzbilde im
Inneren stellt, legt die Annahme nahe, dass dieser Ausdruck bei
Pausanias hier nicht wie sonst durchgehends Marmor bedeute, son-
dern dass wir uns ein ähnliches Material wie etwa das des neuge-
fundenen Herakopfes und des Megareergiebels in Olympia zu denken
haben werden13). Marmor werden wir aber doch sowohl für die
Athena des Kallias als für die Grabfigur der Lampito in Athen
voraussetzen. Für beide Werke hat man früher einen jüngeren
Endoios aus anderen nun hinfällig gewordenen Gründen annehmen
wollen. Ich möchte ihn nicht wieder vertheidigen, denn ich glaube,
das Verlassen der alten Technik wäre gerade zu Athen, wohin En-
doios gewiss erst am Ende seiner Künstlerlaufbahn hinkam, nicht
unerklärlich.

Und nun zu Dädalos selber. Die Alten scheinen schon in
derselben Weise Künstlergeschichte gemacht zu haben wie wir.
Für sie genügte der Klappstuhl im Erechtheion vollauf, um Däda-
los zum Athener zu machen. Wohl finden sich in Attika Spuren
alter Erinnerungen, an die der Künstlermythos anknüpfen konnte.
Ein alter Gau heisst Dädalidä, eine alte Gens, von der wir nichts
wüssten, wäre Sokrates ihr nicht entstammt, leitet so gut wie die
Aiakiden ihren Stammbaum über ihn zu Zeus.

Das sind kretische Erinnerungen, die mit der Künstlersage
gerade so viel und gerade so wenig zu thun haben, wie das Däda-

12) Vgl. Paus. VIII 53. 4 und VII 3. 7.

13) Das Gleiche lässt sich vielleicht auch für das Selbstportrait des Cheiri-
sophos neben seinem hölzernen Apollo annehmen. Pausanias giebt als Material nur
\i8oq kurzweg an, was freilich nicht beweist, vgl. II 10. 1 u. 22. 7. Sehr interes-
sant ist der Irrthum des Pausanias I 64. 9, wo er eine Steinart genau beschreibt und
sie als nur in Megara, sonst aber in ganz Griechenland nicht vorkommend erwähnt,
und doch ist es derselbe Stein, den er in Olympia als -rrujpo^ eruxwpioi; bezeichnet.
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