Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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delliren erfanden. Beiden Angaben liegt ja der gleiche Fehler zu
Grunde: die unsäglich klägliche Construirung der Anfänge griechischer
Kunst. Die Marmortechnik begann genau OJjmp. 1, die Erztechnik
Olymp. 83. Fand er nun Bildhauer vor diesem letzteren Zeitpunkte,
dann mussten sie, waren sie nicht wie Rhoikos und Theodoros in
einem besonderen Fache unterzubringen, zu jenen gehören. So hat
er denn das kretische Brüderpaar auf gut Grlück mit den Chioten
zusammengesteckt und zwar in einer Weise, dass sie leicht mit ein-
ander verwechselt werden können 33). — Indess, glaube ich, hat man
auf die Autorität der besten Handschrift hin noch eine charakteri-
stische Eigenthümlichkeit dieser Stelle abgeschwächt. Es heisst dort
von unserem Paare: hi Sicyonem se contulere quae diu fuit officina-
rum omnium taliwrn patria. Das gibt aber den ganz unstatthaften
Sinn, dass die sikyonische Malerschule und Erzgussstätte mit der
Marmortechnik des Dipoinos und Skyllis einer Art wäre, und wir
müssten conjiciren, was die übrigen Handschriften bieten omnium
metallorum. Nun hat Cod. Mon. omnium metallum. Das Verderbniss
in talium würde sich von selbst erklären, und da der Bambergensis
an Schreibefehlern gerade keinen Mangel hat, so möchte ich hier
seine Autorität bezweifeln. Aber der Leseart omnium metallorum
wird entgegengehalten, Plinius handle hier gar nicht von Metall arbeit.
Sehr richtig, nur hat er seinen Dipoinos und Skyllis aus einer Quelle
her, die von den Anfängen der sikyonischen Erzbildnerei sprach.
Die selbständige Verarbeitung ist allerdings sein Werk. Man streicht
doch nicht etwa die Erwähnung des erzgegossenen Selbstporträts
des Theodoros weg, weil des Plinius Theodoros den Erzguss nicht
kennt.

Holz und Erzplastik stehen mit einander in engem Zusam-
menhang. Für das Sphyrelaton hat die Holzfigur fast dieselbe
Bedeutung wie für die gegossene das Thonmodell. Aber während
dies im einzelnen Falle ohne Rest in dem es ablösenden Erz-
bild aufgeht, führt das Holzmodell, auch nachdem das Blech seine
Formen aufgenommen hat, eine selbständige Weiterexistenz. So
überlebt denn auch die Holztechnik das Sphyrelaton bei Weitem.
Die vergoldeten Schnitzbilder der altdädalischen Technik bringen
das Programm der Zukunft, das einheitliche Erzbild, deutlicher zum
Ausdruck, als die ganz goldenen Kolosse, die kaum was anderes
verkünden, als den Reichthum eines Periander und Krösos 3i). Viel-

33) Vgl. Löschcke Arch. Miscellen, Dorpater Programm 1880 S. 4.

34) Herodot I 50. 51.

Archäologisch-epigraphische Mitth. V. 7
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