Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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leicht mag auch in der Anwendung des schwarzen Ebenholzes der
Gedanke des Metallsurrogates zu Grunde liegen. Auch die Marmor-
plastik lehnt sich in ihren Anfängen an die Holzschnitzkunst an.
Dennoch sind ihre Geschicke von denen der Erzbildnerei wesent-
lich verschieden. Sie gelangt erst später zu selbständiger Bedeu-
tung. Der Hilfe der Malerei wesentlich bedürftig, der Architektur,
und im Weih- und Grabrelief einfachen Bedürfnissen dienend, ent-
wickelte sie sich langsamer. Wo ihr nicht Gelegenheit war aus der
handwerklichen Thätigkeit hervorzuwachsen, konnte sie auch keine
Wurzeln schlagen, denn sie bedurfte vor Allem stetiger Traditionen.
Es scheint, dass sich alle Bedingungen für sie erst nur im Bereiche
der Inselwelt und dann in Attika fanden, dass sie zunächst dort
der Erztechnik sich zur Seite stellte. Dass dennoch aber das Holz
noch eine Zeit lang als das gottgefälligere Material galt, dafür zeugt
die Geschichte von der Damia und Auxesia, und noch bis an die
Grenze des 3. Jahrhundertes hin können wir seine bescheidene
Verwendung im Dienste des Kultus verfolgen35).

Wenn auch das bestimmte Zeugniss einer litterarischen Ueber-
lieferung fehlt, so können wir doch aus zwingenden inneren Gründen
nicht umhin., die Künstler, die zunächst in Sikyon nach Dipoinos
und Skyllis auftreten, mit ihnen durch die festesten Bande verbun-
den anzusehen. Es ist wieder ein Brüderpaar Aristokles und Kana-
chos und neben ihnen der Argiver Ageladas. Das Werk, das alle
drei vereint, drei Musen mit Syrinx Schildkiötenleier und Barbiton,
erinnert an die drei sogenannten Sirenen, die der delische Apoll
des Tektaios und Angelion auf der Hand trug : sie hielten Lyra
Syrinx und Flöten.

Auch das Material der Werke des Kanachos (von Aristokles wird
keines genannt, von Ageladas sind blos Erzwerke überliefert) ist das-
selbe, dessen Dipoinos und Skyllis und seine ganze Schule sich be-

35) Herodot V 82. Aus der Reihe der späteren Holzbilder ist, scheint mir,
die Hekate in Aegina Paus. II 30. 2 in die der früheren zu versetzen. Pausanias
betont die Bedeutung und das Alter des Cultus. Er hält diesem eingestaltigen
Schnitzbilde die spätere attische Form (vgl. Petersen im vorigen Hefte dieser Zeit-
schrift) entgegen; da liegt es nahe an ein Söavov TexvrK TrK eTnxujpiou zu denken,
das er unmittelbar zuvor erwähnt. Ich schlage demnach vor mit diesem Nr. 1 des
Brunnschen Verzeichnisses dasselbe zu thun, was mit Nr. 9 geschah: es von Myron
auf Mikon zu überschreiben. Natürlich diesmal auf den Aegineten, den Vater des
Onatas, nicht den Syrakusaner. Von seinem ungefähren Zeitgenossen Kallon kennen
wir ja auch ein Schnitzbild Paus. II 32. 5.
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