Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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dienen: Holz, Gold, Elfenbein und Erz. Und nun mag es gleich erwähnt
werden, ähnlich wie hier ein Argiver neben den Sikyoniern erscheint,
kehrt durch fast noch zwei Jahrhunderte der Fall wieder, dass in
engster Verbindung Künstler, die sich Sikyonier und solche die sich
Argiver nennen, neben einander stehen. Man konnte dies eigenthüni-
liche Zwillingsverhältniss zweier Schulen bisher nicht genügend er-
klären. Die Inschriftenfunde in Olympia haben uns, so meine ich,
die Lösung gebracht. Es waren gar nicht zwei Schulen, sondern eine
einzige, und diese eine scheint fast nur eine grosse Familie zu sein.
Wir hatten bisher für Polyklet die Bezeichnung als Argiver und
Sikyonier für widersprechend halten können. Von den drei Söhnen
des Patrokles, wahrscheinlich eines Bruders Polyklets, die wir jetzt
kennen, nennen sich Naukydes und der jüngere Polyklet Argiver,
Dädalus aber Sikyonier 36). So wird wohl auch der Argiver Antiphanes,
dessen Lehrer und Schüler Sikyonier sind, gleichfalls Argiver und
Sikyonier sein. Zur Erklärung dieser feststehenden Thatsache sehe
ich bis nun nur zwei Wege. Entweder war der Name Argiver ein
Prädicat einzelner der Sikyonier, weil sie das Bürgerrecht von
Argos durch Leistungen für diese Stadt erhielten und vererbten,
oder sie stammen aus einem argivischen Künstlergeschlecht, das in
dem von Sikyon aufgieng. Die letztere Annahme ist die wahrschein-
liche. Zu Argos ist eine alte einheimische, von Geschlecht zu Ge-
schlecht sich vererbende plastische Kunstübung bekannt. Auch ein
einheimischer Kunstheros, eine matte Nachbildung des sikyonischen
Dädalos, unter dem Namen Peirasos findet sich da und eine äussere
Gelegenheit zu einem Synoikismos mag der Uebergang zur Guss-
technik in Sikyon geboten haben. Ein vollständiges Aufgehen muss
dabei keineswegs vorausgesetzt werden und ein grosser Rest der

36) Naukydes wird von Pausanias ausdrücklich als Argiver bezeichnet VI 1.3,
daher glaube ich nicht mit Furtwängler Arch. Zeit. 1879 S. 49 und Brunn zur griech.
Künstlergesch. Sitzungsber. d. k. bair. Akad. phil.-hist. Classe 1880 S. 473, dass er
ihn II 22. 7 Methonäer nennt. Was es mit dem Mö9uuvo<; dieser Stelle für Be-
wandtniss hat, weiss ich auch nicht. [Während der Correctur bietet sich mir fol-
gende vielleicht eingehenderer Erwägung werthe Vermuthung. Die Stelle lautet:
tö faev TToXÜKXeixoc; eTTo(r)öe, tö o£ ccbeAcpö; TToXuKXeiTou NauKuör|<; Mö9u>vo<;.
Nun nehme ich an, Naukydes, den Pausanias VI. 6. 2 nur als Polyklets Lehrer
anführt, sei nicht sein Bruder; dessen Name wäre vielmehr ausgefallen. Stand z. B.
der Naukydesschüler Alypos vor äbeXcpöc,, so wird man zugeben, es wäre nicht
schwer erklärlich. Dann kann man aber das sicher corrumpirte NauKÜor|<; MöGojvoi;
in Nuukuoou<; öe yiaQr\Tr\c, oder |ua9r|Tai verbessern.]
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