Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

Seite: 105
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1881/0109
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
105

und wohl nicht allzulange darnach. Erreicht er daher den pliniani-
schen Ansatz wohl kaum, so mag ihn sein Neffe doch noch ziem-
lich überschritten haben. Da möchte ich dann darauf aufmerksam
machen, dass dieser Sostratos zeitlich ziemlich genau mit seinem
Namensvetter von Chios zusammentrifft, der ein Zeitgenosse des
Naukydes gewesen sein wird, da sein Sohn Pantias die Statue eines
Siegers neben dem Bilde des Vaters dieses Siegers von Naukydes
aufgestellt hat.

Nun braucht man nur die Vermuthung zu wagen, dass des Py-
thagoras Schwester an einen Chioten verheiratet war, und die beiden
Sostratos schwinden zu einem und die leeren Stellen der Genealogie
des Chioten werden mit Namen ausgefüllt0l). Doch, das mag immer-
hin Zufall sein, in die sikyonische Schule läuft doch der Stamm-
baum des Pythagoras aus.

In dieser ersten Epoche der Ausbreitung, während welcher
im Peloponnes, in Mittelgriechenland und auf den Inseln die überall
verstreuten neuen Keime die absterbenden befruchteten, scheint im
Centrum selbst eine eigenthümliche Veränderung vorzugehen. Das
argivische Element tritt an die Spitze der Schule und leitet eine
neue Epoche ein.

(Fortsetzung folgt)

WILHELM KLEIN

Antike Denkmäler im Wiener Privatbesitze

Bronzen der Sammlung Trau

(Schluss)

22. Cultusgeräth
285. Seistron mit schön geformtem Griff.

L. 0-20. — Gekauft in Paris.

Die zwei oberen der drei Querstäbe haben kulbige Enden.
Der unterste endet auf der einen Seite in einen Kolben, auf der
andern in einen Spatel, dem sich eine Maus nähert. Oben auf der

5l) Der Sostratos, der mit Hypatodoros zusammen gearbeitet, ist nicht wie
man gewöhnlich annimmt der Chiote, sondern der jetzt durch die Inschrift Ov.
Schriftq. 1390 nachgewiesene Sohn Euphranors, der ja aus böotischer Schule stammt.
loading ...