Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

Seite: 168
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lose Hermen als Träger der Archivolte des mittleren Feldes ange-
bracht. Sie wenden das Gesicht gegen einander, ziehen mit der ge-
senkten L. das Gewand, welches kaum bis zur Hälfte des Schaftes
reicht, hinauf und beugen den in dasselbe gehüllten r. Arm im
Ellenbogen. Die Herme zur R ist etwas kleiner als die zur L Ihrer
zeitlichen Reihenfolge nach ist die Darstellung rechts die erste, die
mittlere die letzte.

1. Feld rechts.

Auf einer Kline in halbliegender Stellung Semele nach 1. in
ungegürtetem Hemde, das von der r. Schulter herabgeglitten, und
im Himation, das über den Kopf gezogen ist. Sie wendet das
Haupt dem Beschauer zu und stützt es wie müde oder schlafend
mit dem auf die Kopflehne gestellten 1. Arme. In der gesenkten
R. scheint sie Blumen zu halten; unter ihrem Oberkörper bemerkt
man einen Polster. Ueber der wagrechten Mauerbrüstung wird
Zeus etwa bis zu den Hüften sichtbar. Den Oberkörper nach 1.
zurückbeugend, heftet er den Blick auf Semele, legt den ausge-
streckten 1. Arm auf ihren Nacken und schleudert mit der R. den
Blitzstrahl. Der Zipfel eines Gewandes liegt auf seiner 1. Schulter.
Die Kline hat gedrechselte Beine; unter derselben steht ein Krug
und eine grosse Schale

2. Feld links

Links sitzt auf einem Stuhle nach r. Zeus. Ein Gewand ist
über sein Hinterhaupt gezogen und fällt über die 1. Schulter hinab.
In der R. hält er ein langes Scepter, die gesenkte L. stützt er in
Geburtswehen auf das hintere Stuhlbein. Die Beine stehen auf
einem Schemel; das 1. ist etwas zurückgezogen, das r., welches
deutlich mit Binden umwunden ist, vorgesetzt. Zu dem letzteren
bückt sich eine dem Gotte zugewandte geflügelte Ilithyia in un-
gegürtetem Chiton und berührt es mit der 1. Hand. Auf dem Schemel
steht ein Becken.

3. Mittelfeld.

Hermes mit einem Petasos (?) auf dem zurückgewandten
Haupte läuft in einer Felsgrotte nach r. Aus der wehenden, an
der r. Schulter genestelten Chlamys hat er vorne einen Schurz ge-
bildet und trägt darin mit beiden Händen das neugeborne, nackte
Kind, welches den r. Arm auf seinen Nacken legt. Am Boden
liegt eine weibliche Figur (Guea) im Himation, das den Ober-
körper frei lässt und über die 1. Schulter geworfen ist, nach links.

Lebendige aber inkorrekte Zeichnung.
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