Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

Seite: 174
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Opferhandlung betheiligte Figuren. (Cinquecento). In das Relief
sind drei antike Fragmente eingesetzt: zwei zusammengehörige
unter dem Altare mit einer nach r. knieenden Frau in Chiton und
Himation, und rechts davon ein drittes mit den Resten einer sich
nach 1. bückenden bekleideten Frau und einer zu ihr aufschauenden
Figur.

54. Marmorrelief, 040 h., 0-51 1. Unter einer Platane kniet
nach 1. eine Frau in Chiton und Himation, bückt sich gegen einen
liegenden bärtigen Silen mit einem Becher in der L. vor und weist
mit der R. nach 1. Links steht ein Gefäss auf einem runden Altar-
rechts eine bekleidete Frau nach r.; unter derselben Hals und Arme
eines kauernden Satyrs. [L.]

55. Marmorrelief mit Janusopfer, 0 40 h., 0-45 br. Vor einem
Tempel eine Columna caelata mit einem Januskopfe, beiderseits je
zwei Figuren.

In demselben Besitze befindet sich vereinzelt eine bemalte
Vase:

56. Kelebe (vaso a colonette) mit rothen Figuren auf glänzend
schwarzem Grunde in strengem, sehr schematischem Stile; die Rück-
seite vernachlässigt. Am Halse in einem roth ausgesparten Bande
ein schwarzes Astgeflechte mit lanzettförmigen Blättern, auf dem
ebenfalls rothen Ablaufe ein schwarzer aufsteigender Strahlenkranz.

Vorderseite. L. steht ein Jüngling nach r. auf dem r. Beine,
das 1. zurückgesetzt und auf einem schräg gestellten Knotenstock
vorgelehnt. Er setzt die R. in die Hüfte und bietet mit der L.
einen Hahn einem Knaben dar, welcher in der R. einen senkrecht
aufgestellten Stock hält, mit dem r. Beine vortretend im Gehen inne
zu halten scheint und mit der 1, Hand eine Bewegung macht, wie
wenn er zaudern würde, das Geschenk in Empfang zu nehmen.
Beide Figuren tragen ein über den 1. Oberarm geschlagenes Hima-
tion und im Haare eine Tänie. Zwischen denselben Schriftzeichen.

Kehrseite. Ein Jüngling mit Mantel, Binde und Knotenstock
sich umsehend.

Das k. k. Münz- und Antikenkabinet besitzt eine farbige
Zeichnung dieses Gefässes (bez. Mich. Vella delin.) mit folgender
Unterschrift: „Veduta anteriore del presente vaso Greco - Sicolo, il
quäle fü rinvenuto in quella parte dov1 era il sito della Cittä Agrigen-
tina in Camico, vicino la ripa del Fiume Agragas, nel Luogo dov' era
situato il famosissimo Tempio del TJio Bacco etc. etc.u Aus dieser
Zeichnung kannte es O. Jahn (arch. Anz. 1854 Sp. 447 Anm.). [S.]

Wien, im Jänner 1881. ROBERT SCHNEIDER.
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