Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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Mozartplatze. Die ebendaher stammenden Säulentrümmer scheinen
verloren; sonst ist nur noch ein geringer Rest von Stuccaturtheilen
mit Laub- und Rankenwerk vorhanden.

B. Sculpturen in Stein.

Für Sculpturen ist gewöhnlich ein poröser weisser Kalkstein
verwendet, ausserdem manches Mal (so namentlich 1. 5. 6) ein
weisser fester Stein von gelblichem Stich, welchen die Einheimischen
mit dem zu Emmersdorf, eine Stunde von Töltschach brechenden
Marmor identificieren.

L (Mus.-Nr. 104.) Fragment eines männlichen bärtigen Kopfes
mit breitem Bande im symmetrisch angeordneten Haupthaar; nach
archaischem Typus, von einer Dionysos(?)-Herme (von den früheren
Ausgrabungen am Bürglstein: Pezolt N. Salzb. Ztg. Abendbl. 1852
n. 48). Erhalten ist nur das Gesichtsstück mit der vorderen Haar-
partie. Scheitelhöhe ca. 0275. Die ausgebrochene Nase war, wie
zwei Löcher, in deren einem noch ein Bronzestift steckt, zeigen,
besonders angesetzt3).

Reliefs: 2. (Mus.-Nr. 35.) Steinblock, Vorderseite und Neben-
seite links mit Hochreliefs, stark Verstössen. H. 0 9, Br. 0'72,
D. 0*43. Vorderseite: In einem dreifachen, oben geschweiften Rahmen
steht en face ein mit langem Chiton und kürzerem Obergewande
mit Aermeln bekleideter Mann von breiten plumpen Proportionen,
das Gesicht weggebrochen, welcher auf der Linken ein viereckiges
Behältniss trägt, das er mit der Rechten anfasst. Unten zu beiden
Seiten von ihm nicht mehr deutliche Spuren, am ehesten von Ge-
fässen. — Opferhandlung? Auf der verstellten Nebenseite zu er-
kennen: Zwei Vögel, dazwischen ein Gefäss, darunter Blumen-
ranken.

3. (Mus.-Nr. 112.) Verstossener Steinblock, vorne und an den
schwach gerundeten Seiten mit Relief. Die r. Seite und der obere
Theil ganz zerstört, oben ein Loch eingebrochen. H. ca. 1*18,
Br. 0*4. Vorderseite: In einer nischenförmigen Vertiefung steht auf
einem Piedestal en face ein Jüngling, nach Art eines Camillus be-
kleidet mit gegürteter, bis zu den Knieen reichender Tunica, welche
bis zu den Ellenbogen reichende Hängeärmel besitzt, am Oberleib
weite Falten wirft und die auseinander gesetzten Beine straff um-
zieht. Der Kopf fehlt, vom r. über die Brust gelegten Arm ist die

3) Der Satyrkopf aus zerfressenem weichem Stein vom Bürglstein (Jahresb,
1868) ist nicht antik.
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