Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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grossen Beckens? 0'12 h., von bedeutendem Gewichte, an der Aus-
senseite mit Palmetten und einem stilisierten männlichen bärtigen
Kopfe von leidenschaftlichem Ausdrucke geziert. Antik? — 11. Runde
Pfanne mit ausgeschweiftem Stiel, 0'213 1., schlecht erhalten. —
12. Einige Glöckcben. — 13. Vier verschieden geformte Schlüssel.
— 14. Grosse Menge von Geräthen, der römischen und vorrömischen
Periode angehörig: Fibeln, ca. 15 gute Stücke, hervorzuheben ein
schönes Exemplar, 0 15 1., grün oxydiert, von sehr zierlicher Con-
struction und Ornamentierung. Nadeln bis zu 0'38 L. Sichel- und
Messerklingen, Lanzen- und Pfeilspitzen, Spiralen, sogenannte Kelte
oder Spaltkeulen, Fragment einer morgensternartigen Waffe, vier
kurze Schwerter.

Goldenes Ohrgehänge (vom Mirabellgrund: Mitth. der Ges. f.
Salzb. Landesk. 1876 Taf. Fig. 1), O065 1., an dem Gehänge zwei
Rahmen für Edelsteine, zum Schlüsse fünf ciselierte Ringelchen und
eine Perle.

D. Arbeiten in Thon.6)

Wir begegnen hier einer Reihe von theilweise schlecht er-
haltenen Terracotten, welche nach Material, Gegenstand und tech-
nischer Ausführung ein zusammengehöriges Ganze bilden. Es ist

6) Die Hauptmasse rührt von Ausgrabungen auf dem Bürgisteiner Grunde
am Ende der Vorstadt Stein, einer grossen römischen Begräbnisstätte her. Ge-
funden wurden hier auch Fragmente von Steinsculpturen, Inschriften, Geräthen aus
Gold, Silber, Bronze und Eisen, wovon Vieles nicht mehr vorhanden ist. Die Bei-
setzung geschah hier — nur in einem vereinzelten Falle stiess man auf ein ganzes
menschliches Skelett — in Urnen, von welchen sich 62 steinerne, 17 gläserne,
40 thönerne der verschiedensten Art im Salzburger Museum befinden. Die am An-
fange des Jahrhunderts hier ausgegrabenen Gegenstände verkaufte der damalige
Eigenthümer ]833 und 1837 an den König von Baiern, die später zu Stande ge-
kommene Sammlung des nachfolgenden Eigenthümers kaufte 1851 das Salzburger
Museum an. Schon in früherer Zeit wurden mehrfach Bedenken gegen die Echt-
heit freilich nur weniger Stücke der Münchner Sammlung erhoben. Ich kann nun,
da ich bei einem Aufenthalte in München im Monate Mai d. J. die im kgl. Anti-
quarium vorhandenen Stücke genau zu besichtigen Gelegenheit hatte, constatieren,
dass die ursprünglich nach Hunderten zählende Reihe von Stücken, welche von der
Salzburger Sammlung gänzlich Abweichendes liefern — einiges Zweifelhaftes aus-
genommen — sammt und sonders moderne Fabrikate sind. Das echte der Salz-
burger Sammlung Gleichartige wird an den betreffenden Stellen immer mit-
behandelt werden. Da nun alle die modernen Stücke in den gleichzeitigen Aus-
grabungsjournalen und Inventaren, welche in Originalen und Abschriften im Salz-
burger Museum und in Privatbesitz und darnach auch gedruckt vorliegen, mit ge-
nauer Angabe von Zeit und Ort der Auffindung aufgeführt werden, so kann es sich
nur um ein Verkennen von modernen, vor nicht langer Zeit unter die Erde gekom-
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