Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

Seite: 196
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steht Hermes ganz wie auf einem pompejanischen Wandgemälde
(Wieseler Denkm. a. K. 30, 330), mit Flügeln an Hut und Füssen,
mit Chianas und Kerykeion, en face, doch den Oberkörper ein
wenig nach links gewandt zu jener Verhüllten, und mit der Rechten
einen Stab gegen ihr Gesicht hin haltend. Hermes ist auch noch
durch eine Schildkröte rechts am Boden, einen Hund in der Höhe
bezeichnet. Das Pferd zwischen Hahn und Schildkröte in der Mitte
lässt sich auf Hermes kaum beziehen. Doch ungezwungen, denke
ich, ergiebt sich hier ein ähnlicher Gegensatz, wie weiter oben,
dort Morgen und Abend, hier Geburt und Tod: Hermes den Stab,
der ihm noch ausser dem Kerykeion gegeben ist, doch wohl den-
jenigen

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mit dem er an selbiger Stelle die Seelen der todten Freier treibt
gegen das Gesicht der Todten erhebend, die wie gewöhnlich ver-
hüllten Hauptes schreitet, und Hermes gegenüber das Kindlein
tragend doch wohl auch eine Göttin, und wenn eine Göttin, wer
eher als Eileithyia, sie die e\g qpwg <rrou(7a jovg iraibag Paus. 7, 23, 66)
gegenüber dem i^uxottouttö^. Enger noch würde das Band zwischen
beiden, wenn wir die Todte als die Mutter des Neugebornen dächten,
getödtet durch das ßeXog ö£u der Göttin7), mag man nun in diesem
Sinne das Messer in ihrer Hand verstehen oder wie Welcker die
ijjaXis der Hera. Den Hund wird man so trotz seines einen Kopfes
kaum anders als Kerberos benennen, welcher

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acavei öu&s oupfj re Kai ouaciv ducpoTepoimv

wie es in der Theogonie v. 770 heisst. und bei der Berührung seiner
Schnauze durch die Hand der Todten vielleicht der Beschwichtigung
des Hundes durch die Sibylla bei Vergil Aen. 6, 420 gedenken
dürfen. Sähe man mit Benndorf in der Verhüllten vielmehr die
Todesgöttin Hekate, so wäre vielleicht Hund und ßoss leichter

6) II. IG, 188 itajaje Trpö cpöuu^be. Benndorf erinnert passend an das IV
S. 164, 17 angeführte vatikanische Relief, darauf Juno Lucina wie unsere Eileithyia
in ähnlicher Stellung mit einem neugebornen Kinde auf dem 1. Arm an der Brust
und einer Fackel in der R. Aehnliche Darstellungen der Lucina römischer Münzen
sogar mit der Beischrift ihres Namens hat Overbeck an der a. O. citierten Stelle
beschrieben. Eine Fackel scheint aber darum auf unserem Relief in der R. der
Eileithyia doch nicht angenommen werden zu können. Ob das Thier neben ihr
ein Schwein, zum Opfer bestimmt? Vgl. Preller röm. Myth. 1 3 272 (244).

7) Vgl. Kaibel epigr. gr. 238 |uoTpa Kai €i\e(9uia Kai ibölvei; als Todes-
ursache.
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