Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

Seite: 198
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Linken eine Schale oder etwas Aehnliches. hält, während sie die
Rechte vorübergeneigt entweder so oder mit einem undeutlichen
Gegenstand auf den Kopf des Kindes legt. Ebendahin scheint auch
die Rechte der andern Frau zu gehn, doch sieht deren übrige Hal-
tung und Bewegung mehr so aus , als ob sie eben von dem Kinde
sich abwendete. Diese hält mit der Rechten die Vorderpfoten eines
schwer zu bestimmenden Thieres. Obgleich wie schon die Thiere
so auch einiges andere an die verschiedenen Mondgöttinnen erinnern
könnte, die ekstatische Bewegung der beiden äusseren an Darstel-
lungen der Selene, Fackel (?) und Peitsche (?), auch die Schale an
die Hekataia, ferner das getragene Thier bei einem solchen l0); wie
sonst bei Artemis vorkommt, macht doch das ganze, namentlich
wegen des Götterbildes hinter dem Altar, mehr den Eindruck einer
heiligen Handlung, von Frauen oder Mädchen mit einem Kinde vor-
genommen im Freien beim Heiligthum einer Mondgöttin11). Wenn ich
die Munychien und Brauronien nenne, so ist es nur des Beispiels
halber. Nichts verbürgt, dass wir an Attisches zu denken haben:
Form und Herkunft des grossen Hekataions, wie auch die Form
des kleinen im dritten Streifen dargestellten, scheiden es von der
ersten, specifisch attischen Classe.

Eine Cultushandlung, nur deutlicher noch, scheint auch im
dritten Streifen dargestellt. Links die Dreigestalt, wie bemerkt,
nach der zweiten Classe mit kurzen Fackeln, Dolchen, Peitsche
und freierem Stande, ist doch wohl eher als Bild denn als die
lebendige Göttin zu denken. Ihr naht eine Frau oder Mädchen
mit beiden Händen den Korb mit Früchten (oder Blumen?) auf dem
Kopfe tragend, aber sich umsehend nach den Folgenden, die freilich
mehr ab- als zugekehrt sind: so zunächst hinter ihr ein viel kleineres
Mädchen; doch wie schon gesagt, ob durch Jugend oder Haltung
kleiner, ist nicht sicher. Jedesfalls knickt sie zusammen nach
rechts, um ein grosses Aehrenbündel aufzuheben. Die nächste e. f.
stehend, doch nach den vorigen hin schauend hält in jeder Hand
eine kurze Fackel empor. Die letzte rechts tritt mit einem Fusse
nach rechts auf eine Anhöhe, von der ihr ein kleiner Hund ent-
gegenkommt ähnlich dem am Ende des vorigen Streifens. _ In der

10) S. oben S. 69 K.

") Eine gewisse Aehnlichkeit hat das eleusinische Relief, wo Kore dem
Triptolemos den Kranz aufsetzt, während Demeter ihm Aehren reicht. Auch der
zuletzt von der Gräfin Lovatelli im Bullettino della commissione arch. comunale di
Roma VII (1879) Taf. IL III und IV. V, 1. 3. 5 zusammengestellten Mysterien-
darstellungen wird man sich erinnern.
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