Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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tlmm und Bild erscheint. Jetzt erklärt sich auch das bemerkte Aus-
einandergehn der mit der Hekatefeier beschäftigten Frauen nach
links und rechts. Während aber rechts blutiges Opfer zu denken
ist, werden zum Bilde andere Gaben gebracht, für die es genügt
an das zu erinnern, was Band IV S 167 über den Apfel als Attri-
but der attischen Hekataia gesagt wurde und an das unserer Korb-
trägerin so ähnliche Mädchen des Hekataion Modena (Band IV
Taf. V 26). Für das Aehrenbündel verweise ich auf Kallimachos
Hymnos auf Artemis 124 f., wo augenscheinlich die Mondgöttin
gemeint ist wenn es heisst:

ovg be Kev euueior1? Te KOtl i'Xaoc; auxaö'ö'n.ai
Keivoig eu juev apoupa cpepei axdxuv.
Eine andere Feier zeigt uns der vierte Streifen, in der Mitte
drei Mädchen enger verschlungen im Reigen, die mittelste von hinten
gesehen, die andern beiden von vorn. Dadurch und durch die Art,
wie sie die Arme einander auf die Schultern legen, gleichen sie den
Chariten. Doch schliesst sich noch eine vierte links an, ähnlich
gekleidet, aber nur mit der Hand anfassend und deutlich ausser-
halb der Symmetrie des Dreivereins, ausgezeichnet auch durch ein
Attribut der freien 1. Hand, wieder eine Binde. Sollte es Aphro-
dite sein , und man sich des Horazischen Frühlingsliedes erinnern
dürfen Od. 1, 4, 5:

iam Cytherea choros ducit Venns imminente luna

iunctaeque Nymphis Gratiae decentes

alterno terram quatiunt pede.
Die luna könnte ja in der jagenden Artemis am rechten Ende des
Streifens dargestellt scheinen. Und bei den mancherlei Gedanken-
wegen , die man versuchsweise einschlägt bei Erklärung so unge-
wöhnlicher Darstellungen, fragt man sich vielleicht auch, ob nicht
die Vierzahl der Streifen hier wo alles sich um die grosse Zeiten-
göttin dreht, die sogar vier Hören oder Jahreszeiten führend er-
scheint, noch auf diese sich beziehen lasse. Frühling im untersten
Streifen, Sommer im nächsten, das möchte gehen, aber weiter kommt
man kaum, und übrigens ist es doch nicht blos der beiden Kinder
wegen rathsam die Streifen von oben nach unten folgend zu denken.
Lassen wir also dies und erinnern wir uns vielmehr der drei Mäd-
chen, welche das Hekataion umtanzen, sowie der Zweifel über ihre
Benennung (oben S. 26 u. 36) und dass auf jenem Münchener
Relief (S. 40) zu den dreien vielleicht die vierte kam, wie jedesfalls
auf dem dort (S. 41, 77) verglichenen Berliner Relief mit der Bei-
schrift ad sorores IUI. Nymphen möchten wir auch hier sagen,
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