Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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für das letzte eintreten, aber auch Selene wäre verschoben und mit
der runden Scheibe als Vertreterin des ersten Viertels kaum am
Platze. Besser begründet möchte es sein, zwischen dem obersten
Streifen mit dem ernsten Bilde des Todes und dem heiteren Tanze
des untersten einen beabsichtigten Gegensatz zu finden, und diesen
Tanz an sich für einen passenden Abschluss des Ganzen zu halten,
dem insofern als oberer Abschluss des Bildwerks auch Helios zwi-
schen den schwebenden Gestalten von Morgen und Abend gegen-
überstände. Wenige Beispiele aus verschiedenen Zeiten mögen ge-
nügen, damit dies nicht für subjectives Belieben gehalten werde.
Am Schilde des Achill nennt der Dichter zuerst im Centrum zu
Himmel Erde und Meer, Helios Selene und die Gestirne, als letzte
figürliche Darstellung am Rand den Reigentanz. Auch auf der
Francoisvase bildet den oberen Abschluss auf einer Seite wenigstens
ein Chortanz. Näher zum Schilde stellt sich die in den Mon. ined.
deW Inst. 1881 zu veröffentlichende Schale, im Innern mit Herakles
und Triton als Mittelbild, rings am Rand eingefasst von einem Reigen.
Tanzende bildeten den oberen Abschluss des Throns zu Amyklai,
und wenn Chariten und Hören oder Hören und Moiren zu oberst
am Zeusthron in Olympia und Megara nicht tanzend dargestellt
waren, wie doch wahrscheinlich, so waren sie auch an sich schon
dem Reigen zu unterst an unserem Hekataion vergleichbar. Freilich
aber möchte es ein wesentlicher Unterschied scheinen, ob solche
Figuren oben oder unten den Abschluss bildeten. Oben, könnte man
meinen, wären sie allerdings passend, edler und schöner noch als
aufspriessende Blätter und Blüthen, freie Endigung zu veranschau-
lichen, daher jene Figuren, z. B. Niken, wie diese Blüthen als
Schmuck der Stirnkronen verwandt. Aber Hören und Chariten
standen ja auch an den Füssen des Amykläischen Thrones und
tanzende Niken an denen des Zeusthrones 17). Ja noch an Sarko
phagen finden wir als Schmuck der Ecken oben am Deckel die
Köpfe von Lichtgöttern Helios und Selene oder Dioskuren oder
Phosphoros und Hesperos, unten am Sarkophag selbst dagegen
tanzende Niken oder Hören. Auch darum schien mir an unserem
Hekataion kein fünfter Streifen verloren gegangen.

") Vgl. oben S. 62.

17) In dem Verzeichniss der Antiquitäten des Baron v. Bruckenthal'sehen
Museums bei Arneth Archäol. Analekten in den Sitzungsber. der Wiener Akad.
phil.-hist. Cl. Bd. 6 (1851) p. 285 sqq. ist unser Hekataion unter n. 9 aufgeführt,
mit der Bemerkung bezüglich der Provenienz: „Siebenbürgisch, entweder von Apu-
um oder von Salinae".

Prag. PETERSEN.
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