Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

Seite: 203
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Grabstein eines Centurio aus Carnuntum

Der auf Tafel V abgebildete Grabstein wurde im Frühjahre
1880 in der Nähe von Petronell auf den sogenannten „Hundsheimer
Krautackerln" aufgefunden. Die viereckige Platte findet nach oben
hin ihren Abschluss durch einen Giebel, zwischen zwei akroterien-
artigen Ansätzen, welchen eine Rosette schmückt. Durch den vier-
seitigen Ansatz an der Unterseite wurde der Stein ohne Zweifel in
eine zweite Platte, die als Basis diente, eingelassen. Zwei Quer-
streifen theilen die Oberfläche in drei vertiefte Felder, von denen
das oberste die Inschrift trägt, die beiden anderen Darstellungen
im Relief zeigen. Die Inschrift, in trefflichen Charakteren, lautet:

T-CALIDIVS-

P • CAM• SEVER

e q_- item- optio-
decvr-coh-t - alpin -
5 item ■ 1 - leg • xv-apoll-
annor-lviii-stip-xxxiiii-
h- s ■ e

q_- calidivs- FR.a'E.I
• po svit •

Tiitus) Calidius P(ublü) Cam(ilia) Severins) eq(ues) item optio,
decur(io) cohiortis) I Alpin{prum) item (centurio) leg. XV Apollinaris)
annor(um) LVIII stip(endiorum) XXXIIII. h(ic) s(itus) e(st). Q(vintus)
Cot dius fratri posuit.

Auffallend ist in der Namengebung die Auslassung von
/(ilius). Ein einfaches Versehen anzunehmen, verbietet schon die
treffliche Ausführung der Inschrift, um so mehr, als drei andere
Grabsteine von Soldaten der legio XV Apollinaris aus Carnuntum
die gleiche Eigentümlichkeit zeigen '). Die Erklärung für diese
Auslassung ist allerdings unsicher; doch möchte ich darauf hin-
weisen, dass Calidius das Bürgerrecht nicht von Geburt besass,
sondern erst bei seinem Austritt aus der Auxiliarcohorte durch die
honesta müsio erwarb.

Calidius hat seine Laufbahn als Auxiliar in der coliors I Alpi-
norurn begonnen. Die cohortes Alpinoruw, von denen sich vier nach-

l) C. I. L. III 4484; Mitth. II 104; IV 3 28; ausserdem C. I. L. III 6366;
C. I. L. VII 243; Rh. J. 1879 p. 72. J. Eh. 310.
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