Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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kennen. Gestützt wird diese Auffassung durch den Umstand, dass
duplicarii und sesquiplicarv, die principales der alae und der equites
singulare.? imperatoris, in den cohortes equitatae fehlen8). Der decurio
ist Commandant einer Turma9).

Wie wir uns den Uebertritt in den Legionsdienst und das
Avancement zum Centurionat zu denken haben, ergibt sich aus der
Zahl der stipendia. Calidius diente im Ganzen 34 Jahre; er wird
demnach im 25. Jahre seiner Dienstzeit die honesta rnissio und das
römische Bürgerrecht, und hiedurch die Befähigung zum Legions-
dienst erhalten haben. Es ist dies also im Wesentlichen nicht ver-
schieden von dem Avancement der Prätorianer zu Evocaten und
Centurionen. Doch ist dies, soviel ich sehe, das erste Beispiel
eines derartigen Avancements. Der unmittelbare Uebertritt aus den
auxilia in die Legion ist nur in einer späten Inschrift (wohl des
4. Jahrh.) bezeugt C. I. L. V 898 ,0).

Da Calidius als Centurio der legio XV Apollinaris gestorben
ist, so kann die Inschrift nicht über das erste Jahrhundert hinab-
gerückt werden (cf. Mommsen C. I. L. III p. 482). Und auf das
erste Jahrhundert weist auch die Schriftform mit Bestimmtheit.

Abgesehen von dieser in der in schriftlichen Ueberlieferung
einzig dastehenden Carriere bieten die in dem zweiten Felde un-

8) Optiones equitum sind nachweisbar: bei den equites speculatores Tac. 7t.
I 25; der Prätorianerreiterei C. L L. VI 100. 2440; Legionsreiterei C. I. L. VIII
2568 v. 18; C. L L. V 895 (?); optio eq. sing. C. L L. III 2011 (nach dem Fund-
orte zu schliessen singulares des Statthalters von Dalmatien); auffallender Weise in
einer ala C. I. L. III 5924.

9) Hygin. de m. c. §. 27 besonders die Inschrift C. I. G. 5047: Aouk(o[u]
Po]uti\(ou A[ou]tt[ou] o"[Tre{]pr|[<;] 'ICTravuLipouu TÜpu(nc;) X (i. e. öeKaöäpxou)
O\u0[pou].

10) Eine Analogie böte C. I. L. VIII 9045: P. Äel. P.f. Q. Primiano eq. R.
trib. coli. Uli Syngb. a. mil. primo p. trib. coh. Uli. Vig. ex dec. al. Thrac. prp.
vex. eqq. Mauror. a. 255, doch fehlen ohne Zweifel in der Carriere einige Chargen.
Versetzung in das Praetorium hat Mommsen angenommen in der Inschrift C. I. L.
VIII 9391: dis ma[nibus sacrum] \\ L. Terentius Secun[dus .... natio] \\ ne Noricus.

h. s. es\t. • • •] || translatus in praetorio.....|| [ex] coh. H Breucorum mil. [ann.....

vix. ann...-]. Gegen diese Ergänzung spricht ausser dem Spatium und der irre-
gulären Stellung (denn die Cohorte müsste vorangehen C. I. L. VI 2437. 2558. 2601.
2605. 2649. 2672. 2673. 2725. 2758. 2785) vor allem der Ablativ. Die Inschrift ist
vielleicht zu ergänzen nach Analogie von CLL. VI 2437. 2673: L. Terentius Se-
cun[dus .... natio] \\ ne Noricus h. s. es[t. in leg. .. . mil. ann. . . . inde] || transla-
tus in praetorio [mil. . .. ann.. . .] || [7] coh. U Breucorum mil. [ann. . . 1 .... mil.
an. . . .].

Archäologisch-epigraphische Mitth. V. 14
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